01.03.2017

Schritt für Schritt zur Webreportage: Statpedia

Statpedia ist ein Programm, mit dem Journalisten sehr schnell sehr schöne Infografiken erstellen und stark individualisieren können. Es bietet ähnlich viel wie das Tool Datawrapper, ist jedoch kostenlos.

Es gibt eine ganze Menge an Programmen, mit denen Journalisten Infografiken erstellen können. Viele von ihnen sind gut designt, manche sind interaktiv, einige können auch stark individualisiert werden. Kostenlos sind sie eher selten. Aber wirklich rar sind Chart-Programme, die alle vier Eigenschaften vereinen. Statpedia ist so ein Schmuckstück. Es kann leicht von Anfängern bedient werden, bietet aber eine Fülle von Einstellungsmöglichkeiten.

Statpedia-Infografiken reagieren nicht nur auf ein Hovern der Maus. Datenreihen lassen sich für die bessere Übersicht auch an- und ausschalten. Gerade im folgenden Beispiel ist das ein interessantes und nützliches Detail. Im Vergleich zu anderen Energielieferanten sind “sonstige erneuerbare” Energieträger völlig unbedeutend. Wer jedoch die fossilen Energieträger und Wasserkraft deaktiviert, wird schnell das rasante Wachstum sehen.

So erstellst du eigene Charts

Wer selbst Infografiken erstellen will, kann sich bei Statpedia anmelden. Ein Klick auf “Create Stat” öffnet den Editor. Bevor man sich an das Eingeben der Daten macht, empfiehlt sich jedoch ein Blick auf die Erzeugnisse anderer User. Da fast alle Datenvisualisierungen vertaggt sind, lassen sich die Infografiken auch thematisch durchsuchen.

So sieht der Statpedia-Editor aus

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Eigene Charts können dann über drei Reiter auf der linken Monitor-Seite erstellt werden: “Data”, “Styling” und “Text” erlauben die Dateneingabe, Änderungen am Layout und die finale Beschriftung. Neben den typischen Linien- und Balkendiagrammen bietet Statpedia fünf weitere Darstellungsformen wie Streu-Charts und Karten. Allzu ausgefallen sind die Layouts aber nicht. Wer ungewöhnlichere Varianten sucht, sollte sich das Programm Raw anschauen.

Dafür glänzt Statpedia aber mit Detailverliebtheit bei seinen Karten. Neben dieser sehr detaillierten Darstellung der US-Countys stellt Statpedia auch Karten französischer Departments oder deutscher Bundesländer bereit.

Eine Schwachstelle: Belco Regular

Nach der Dateneingabe geht es ans Layouten – und das hat Statpedia sehr überzeugend gelöst. Ganz ohne Programmierkenntnisse und trotzdem sehr detailliert können viele Aspekte der Charts unter dem Reiter “Style” individualisiert werden. Abstriche gibt es nur an einer Stelle: Die Schriftart für Titel, Untertitel und Legendenbeschriftung lässt sich nicht ändern. Zwar ist es – wie in der folgenden Infografik – möglich, Farbe und Größe anzupassen. Die serifenlose Schriftart Belco Regular ist jedoch unveränderbar.

Einbettung und Weiterverbreitung

Wer diese Kröte schluckt, kann seine fertige Infografik publizieren. Änderungen können auch im Nachhinein noch eingepflegt werden. Statpedia liefert das fertige Produkt unter einer URL aus. Auch das Einbetten in die eigene Webseite funktioniert problemlos. Wer seine Infografik gerne als statische Bilddatei haben will, kann sie sich als JPEG, PNG, PDF und SVG herunterladen.

Die Macher von Statpedia glauben – wie der Name ihres Programms bereits suggeriert – an die Datenfreiheit der Wikipedia-Bewegung und wollen das Weiterverwenden von Inhalten fördern. In Webseiten eingebundene Infografiken bekommen deswegen in der oberen rechten Ecke ein Hamburger-Icon, über das sich User die Charts leicht herunterladen können. Am unteren Rand erscheint zudem ein Statpedia-Branding, das nicht ausgeschaltet werden kann, dafür aber recht unscheinbar ist.

Timescape LogoFazit: ein sehr gutes, kostenloses Tool mit einer kleinen Macke

Statpedia ist ein grundsolides Programm, das sich leicht bedienen lässt und gut aussieht. Zudem ist es kostenlos und kommt trotzdem nur mit einem kleinen Branding aus. Sehr schade ist jedoch die nicht vorhandene Vielfalt bei den Schriften. Durch diesen eigentlich leicht zu behebenden Aspekt ähneln sich alle Statpedia-Infografiken stark.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in: JOURNALISMUS & NETZ, JOURNALISMUS & TECHNIK, NEU, Neue Formate, Produzieren, Publizieren
  • Über Michel Penke

    Michel Penke, junger Journalist und erst vor kurzem aus der Deutschen Journalistenschule in München entlassen. Lebt zur Hälfte in der digitalen Welt und wundert sich, dass man noch keine Videos in Printzeitungen einbetten kann. Auf ☞ Bleiwüsten.de bloggt er über multimediales Storytelling.

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