16.06.2016

Schritt für Schritt zur Webreportage: Genially

Genially verschränkt Bilder, Videos, Animationen, GIFs und Text miteinander. Ähnlich wie ThingLink erlaubt es das Erzählen von Geschichten – bietet aber weitaus mehr Möglichkeiten.

Derzeit versuchen viele, das Bild als Format neu zu erfinden. Nicht nur Facebook experimentiert mit 360°-Bildern. Das von der Europäischen Union geförderte Programm Genially ist eine Art Weiterentwicklung der ThingLink-Idee und versieht Bilder mit Pins, Animationen und klickbaren Elementen. Bilder, Videos, GIFs, Texte, Links und vieles mehr können in mehreren Ebenen übereinander gelegt werden. Für Journalisten bietet das eine Fülle von non-linearen Erzählmöglichkeiten.

Der Editor

Genially gibt es als kostenlose Web-Anwendung und als Browser-Addon für Chrome. Hast du dich angemeldet, begrüßt dich ein dreigeteiltes Dashboard. Links steht dir ein Editor über Tabs zur Verfügung. Rechts kannst du unterschiedliche Seiten anlegen. In der Mitte ist deine Arbeitsfläche.

Dashboard

Über die Tabs des Editors legst du Textboxen an, bestimmst Titel und und setzt Hintergrundbilder ein. Genially erlaubt dir daneben auch GIFs und Videos. Spannend wird es ab dem Tab “Pin”. Denn hiermit platzierst du Icons auf deinen Hintergrundbildern, die bei einem Klick oder einem Mouse-Hover interaktiv werden. So können sich auf Wunsch Textboxen öffnen, Videos in Pop-up-Fenstern geladen werden, Zoom-Funktionen aktiviert werden oder der User auf eine andere Webseite geschickt werden. So weit war ThingLink bisher auch. Neu sind jedoch folgende Dinge: Areas, Animationen, Seitennavigation und externe Inhalte.

Areas, externe Inhalte und Seitennavigation

Areas sind (un)sichtbare Zonen auf deinem Bild, die durch Klicks aktiviert werden können. So kannst du dein Bild für den User komplett interaktiv machen, ohne es mit Icons zu überfrachten. Die vielleicht bessere Variante ist aber, Teile des Bildes als Icon neu hochzuladen und mit eigenen Animationen zu bestücken – wie in diesem Fußballbeispiel zu sehen ist.

Die Option, externe Inhalte zu laden, ist wahrscheinlich eine der beiden größten Stärken von Genially. Das Programm unterstützt im Grunde alles, was einen Einbettungscode vorweisen kann. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Der zweite Pluspunkt ist die interne Seitennavigation. Du kannst entweder via Klick auf ein Icon oder auf eine definierte Area zu anderen Seiten führen. Damit bieten sich Journalisten nonlineare Erzählformen. Im nachfolgenden Beispiel sind über die Hochkant-Kacheln unsichtbare Areas gelegt, die zu Unterseiten führen.

Das Prinzip ließe sich auch für journalistische Zwecke einsetzen. Warum nicht eine interaktive Infografik zur nächsten Bundestagswahl, bei der mit einem Klick auf eine Region erweiterte Statistiken über das Wahlverhalten geladen werden?

Der PowerPoint-Fehler

Das Prinzip von Genially lebt von einem kreativen Einsatz. Individualisierbare Buttons, unsichtbare Areas, externe Inhalte und Seitennavigation bieten das Potential für visuelles Storytelling state of the art. Und bis dahin ist es im deutschen Digitaljournalismus ja noch ein langer Weg. Doch wie so häufig ist weniger mehr. Der größte Teil der fancy Icon-Animationen ist Mist im Style von PowerPoint. Zu viele Unterseiten können schnell zu einem Klick-Irrgarten werden.

Beispiele für den gelungenen Einsatz von Genially gibt es einige. Ähnlich wie ThingLink funktioniert dieses Schaubild mit erklärenden Info-Fenstern, während diese Infografik ein Stück weiter geht und zudem auf Animationen setzt. Bereits mit Unterseiten arbeitet diese Form eines visuellen Listicles. Auch dieses interaktive Reise-Tagebuch funktioniert über Ebenen, die via Slide durchgeschaltet werden. Das unten einbundene Beispiel hingegen verzichtet gänzlich auf Interaktivität und erzählt schlicht anhand von Bildern und Animationen eine Mini-Geschichte. In Zeiten, in denen die ARD beginnt, Emojis als Erzählmittel zu nutzen, braucht sich wohl auch kein Journalist mehr zu schämen, seine Geschichte mit lustigen kleinen Animationen zu erzählen.

Genially LogoFazit: Würdige Weiterentwicklung von ThingLink

Genially führt das ThingLink-Prinzip gekonnt weiter. Während ThingLink sich im Bereich der Virtual Reality weiterentwickelt, bleibt Genially in der Ebene – und fügt ihr noch einige weitere hinzu.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in: JOURNALISMUS & TECHNIK, Produzieren, Publizieren
  • Über Michel Penke

    Michel Penke, junger Journalist und erst vor kurzem aus der Deutschen Journalistenschule in München entlassen. Lebt zur Hälfte in der digitalen Welt und wundert sich, dass man noch keine Videos in Printzeitungen einbetten kann. Auf ☞ Bleiwüsten.de bloggt er über multimediales Storytelling.

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