28.01.2016

Goldesel für Autoren

Sie sind eine Möglichkeit, mit minimalem Aufwand zusätzliche Einnahmen als Journalist oder Blogger zu generieren – und dennoch kaum bekannt: VG-Wort-Zählpixel.

Dass man als Journalist kostenlos bei der Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort), der GEMA der schreibenden Zunft, Mitglied werden kann, wissen die meisten Journalisten. Nicht allen ist hingegen bekannt, dass man neben Printtexten auch für Texte, die im Internet veröffentlicht werden, Ausschüttungen erhalten kann. Im Geschäftsjahr 2014 schüttete die VG Wort für Texte im Internet 3.812.416 Euro an 11.374 Autoren aus (Vorjahr: 3,67 Mio. Euro an 10.766 Autoren).

Flickr-Bild von Portable Antiquities Scheme, CC-BY-SA

Flickr-Bild von Portable Antiquities Scheme, CC-BY-SA

Voraussetzung für den warmen Geldregen ist, dass man VG-Wort-Mitglied ist und sich beim Meldesystem für Texte auf Internetseiten (METIS) registriert hat. Im Meldeportal T.O.M. kann man dann Zählpixel herunterladen. Ein Zählpixel ist im Prinzip nichts anderes als ein Stück HTML-Code. Die Zählmarke für diesen Text sieht zum Beispiel so aus:

<img src=”http://vg07.met.vgwort.de/na/4170ff2bc773427c881325ae2d857eec” width=”1″ height=”1″ alt=”">

Den Zählpixel bettet man einfach in den HTML-Code der Webseite ein, für die man eine Ausschüttung erhalten möchte. Bei einem WordPress-Blog schaltet man dafür einfach im Backend bei einem Post von der „Visual-“ auf die „Text“-Ansicht um, fügt den Zählpixel-Code ganz am Anfang des HTML-Codes ein und speichert ab.

Wird die Seite nun besucht, zählt die VG Wort automatisch die Zahl der Abrufe. Sobald der Text den Mindestabruf von 1.500 Abrufen erreicht hat, kann er an der Ausschüttung teilnehmen. Hierfür muss man den Text noch im Meldesystem T.O.M. der VG Wort melden. Meldeschluss ist der 1. September eines Jahres. Die Höhe des Mindestabrufs legen die Gremien der VG Wort jedes Jahr neu fest. Meldefähig sind Texte ab einem Mindestumfang von 1.800 Zeichen inklusive Leerzeichen. Auch PDF-Dateien kann man mit einem Zählpixel versehen. Hierfür gibt es eigene Pixel, die bei der Zählmarkenbestellung gesondert ausgewiesen sind.

Wie hoch die Ausschüttung pro Text ist, legt die VG Wort jedes Jahr neu fest. Laut der aktuellen Quoten-Übersicht sind es 12,00 Euro für einen regulären Text, Großwerke werden sogar mit 10.000 Euro bedacht.

Die Möglichkeit, Zählpixel zu verwenden, hat grundsätzlich jeder Webseitenbetreiber, also alle Autoren, Blogger oder Übersetzer. Immer mehr Redaktionen, z. B. Spiegel Online, verwalten Zählpixel zentral. Das heißt, der Zählpixel wird automatisch eingefügt und gemeldet.

Leider verfügen nicht wenige Redaktionen über Content-Management-Systeme, die keinen Einbau von Zählpixeln erlauben oder Medienhäuser scheuen den Aufwand. In einem solchen Fall hat man nur die Möglichkeit, an der Sonderausschüttung der VG Wort für Texte im Internet teilzunehmen. Hierfür meldet man in T.O.M. die Domain des Texts. Die Sonderausschüttung ist auch eine Möglichkeit für „solche Texte, die hinter einer Bezahl- oder Login-Schranke eines Verlags im Internet verfügbar sind“, schreibt die VG Wort. Meldeschluss für die Sonderausschüttung ist der 31. Januar. Bei der Sonderausschüttung erhält man als Autor jedoch weniger als im Falle des Zählpixeleinbaus.

Der Verlag akademie.de behauptete im Oktober 2013, das METIS-System verstoße gegen Datenschutzrecht und mahnte die VG Wort ab. Rückendeckung bekam der Verlag vom Berliner Datenschutzbeauftragten. Die VG Wort speichert bei den Zählpixeln Nutzerdaten anonymisiert, die Anonymisierung erfolgt jedoch erst auf den Servern der VG Wort. Im Dezember 2013 gab die VG-Wort in einer Pressemitteilung bekannt, dass ihre Zählpixel laut Bayerischem Landesamt für Datenschutzaufsicht datenschutzkonform sind.

Ein Handbuch mit ausführlicheren Informationen zu METIS für Urheber gibt es hier auf der Internetseite der VG Wort.

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