31.05.2015

Was geschah in Kumanovo?

Gibt es objektive Kriegsberichterstattung? Nee. Wir versuchen es trotzdem mal.

Worum geht es?

Am 9.Mai wurde in Mazedonien ein Krieg geführt. Oder doch nicht? Sicher ist nur: Am Wochenende des 9. und 10.Mai wurde im mazedonischen Kumanovo gekämpft. Die mazedonische Polizei gegen bewaffnete Terroristen. Es gab Tote, es gab Verletzte – und jede Menge Verwirrung. Wer steckt dahinter?
Manche sagen, es sei die UCK gewesen. Sie habe Kämpfer aus dem Kosovo nach Mazedonien geschleust, um staatliche Einrichtungen zu attackieren. Wenn das stimmt, dann könnte Mazedonien kurz vor einem dritten Balkankrieg stehen.
Manche sagen, es sei die mazedonische Regierung gewesen. Sie habe einen Krieg inszeniert, um von ihren innenpolitischen Problemen abzulenken. Und um die Albaner und die Mazedonier zu entzweien, die gerade gemeinsam gegen die Regierung auf die Straße gehen.
Und manche vermuten, es sei die USA gewesen. Die nicht einverstanden ist mit dem Plan Russlands, eine Pipeline durch Mazedonien zu bauen. Und die die prorussische Regierung stürzen wolle, um mithilfe der prowestlichen Opposition einen weiteren Vorteil im „kalten Krieg“ gegen Russland zu erringen.
Was wirklich passiert ist, weiß niemand. Aber wir wollen es herausfinden. Gemeinsam.

Kumanovo1_800pxBild: Laura Meschede


Was haben wir vor?

Ein einzelner Journalist kann niemals objektiv über einen Konflikt berichten – das sehen wir nicht zuletzt aktuell im Ukraine-Konflikt. Ein Reporter muss sich entscheiden, in welche Richtung er recherchiert: Wessen Fehler er sucht, welchem Wissenschaftler er vertraut, welchen historischen Fakt er erwähnt und welchem Gerücht er nachgeht. Auch deshalb kann Kriegsberichterstattung immer nur einen kleinen Teil der Wirklichkeit abdecken.
„Was geschah in Kumanovo?“ ist ein Experiment, das versuchen möchte, diesen Fehler zu beheben. Indem es das Wissen der Masse miteinbezieht. Denn jeder, der sich für einen Konflikt interessiert, hat ein oder zwei Informationen, die seine These stützen. Seien es Zeitungsartikel, historische Fakten, Youtube-Videos oder Interviews.
Wir werden alle diese Fakten auf unserer Homepage sammeln. Alle Thesen, alle Anhaltspunkte, jeden klitzekleinen Hinweis. Statt Beweise für eine Theorie zu finden, wollen wir alle Informationen zusammentragen, die es in den Weiten des Netzes zu finden gibt.

Wir haben den Grundstein gelegt: Indem wir mit Zeugen gesprochen haben, die am 9.Mai den Angriff mitbekommen haben. Indem wir Fakten sortiert und eine zeitliche Einordnung geschaffen haben. Und indem wir mit unserer Seite einen Ort geschaffen haben, an dem die Informationen gesammelt werden können.
Der Rest kommt von euch: Schickt uns eure Informationen – wir packen sie auf die Homepage. Die einzige Bedingung ist: Wir brauchen einen Beleg. Einen Link, einen abfotografierten Artikel, ein Video – was es auch sei.

Ihr seid Kenner der mazedonischen Geschichte? Her mit euren Infos über den Krieg 2001.
Ihr kennt auch gut mit Waffen aus? Schreibt uns doch, was für Bomben es sind, die die Zeugen in ihren Gärten gefunden haben.
Ihr habt Hintergrundwissen über die russischen Verhandlungen zur Turkish-Stream-Pipeline? Über die aktuelle Situation der UCK? Zur Einschätzung der Situation in albanischen Medien? Her damit!
Schickt uns, was ihr wisst. Wir sortieren eure Infos dann auf der Homepage ein.


Wie kann ich mich beteiligen?
Die Seite „Was geschah in Kumanovo?“ ist unfertig und sie wird es auch bleiben. Es liegt an euch, sie zu füllen. Unter „Eure Infos“ findet ihr das Forum, in dem ihr eure Hinweise posten könnt – bitte ausgestattet mit Belegen. Gut wäre, wenn ihr eure Infos nicht nur auf Deutsch/Mazedonisch, sondern auch auf Englisch posten könntet. Aber eine Bedingung ist das selbstredend nicht.
Unter „Deine Geschichte“ könnt ihr zudem eure Theorie posten – was ihr denkt, was passiert ist. Ob ihr sie als Kurzgeschichte schreibt oder als trockenen Faktenberg ist uns dabei gleichgültig.
Ansonsten seid ihr in jeder Art und Weise frei, an diesem Projekt mitzuwirken. Ihr findet einen Fehler? Weißt uns darauf hin und wir bessern ihn aus. Ihr könnt eine Sprache, in die ihr das Projekt gerne übersetzen möchtet? Sehr gerne! Schreibt uns einfach. Ihr habt sonst eine Idee, wie man das Projekt verändern oder verbessern könnte? Her damit!
„Was geschah in Kumanovo“ ist der Versuch, eine neue Form von Journalismus zu etablieren. Einen Journalismus, der alle Möglichkeiten in Betracht zieht. Der den Leser als das begreift, was er ist: Eine Bereicherung. Ob das funktioniert, wissen wir nicht. Aber wir finden: Einen Versuch ist es wert. Der Rest liegt an euch.

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