09.02.2015

Die Journalisten-App der Woche: Snapchat

Snapchat wird Facebook beim Thema News schlagen. Schreibt Rebecca Searles. Hat sie Recht?

Aufmerksamkeit ist immer gut. Die sichert man sich durch eine kernige Überschrift und stramme Behauptungen. Die amerikanische Technikjournalistin Rebecca Searles hat kürzlich einen Text bei Medium veröffentlicht, in dem sie Snapchat eine glorreiche Zukunft prognostiziert. Sie ist im Moment nicht die einzige die sich mit der proprietären Instant-Messaging-Anwendung für Smartphones und Tablets beschäftigt.

Nick Hilton von der New York Times hat im Januar gleich zwei mal lange Artikel über Snapchat verfasst. Warum er es benutzt und wie es genau funktioniert. Die Gründe für die plötzliche Beschäftigung mit dem 2011 gestarteten Dienst – der es ermöglicht Bilder und Videos zu versenden, die sich nach maximal 10 Sekunden löschen – liegen auf der Hand. Hier mal drei Stück.

Infographic: Snapchat More Popular Than Twitter Among Millennials | Statista

Snapchat ist bei Amerikanern zwischen 18 -34 beliebter als Twitter. Tendenz steigend. Die im Oktober 2014 eingeführte Funktion der so genannten Snapchat Story ermöglicht neben dem reinen Versenden von Fotos und kurzen Videos an Freunde und Bekannte das Erstellen einer Art „persönlichen kleinen Fernsehshow“ an Freunde, Bekannte oder die Öffentlichkeit – haltbar für 24 Stunden. Das sieht dann ungefähr so aus wie in dem folgenden Video, das Nick Bilton zusammen mit Casey Neistat fabriziert hat.

Und dann gibt es noch einen dritten Grund, warum Journalistinnen und Journalisten sich jetzt gerade Snapchat anschauen sollten. Ihre Kollegen sind nämlich schon da. Und machen mitunter eine ganz gute Figur in ungewohntem Terrain. Die neue Funktion Discover bietet täglich kleine Bild/Video-Formate von Anbietern wie Vice, Cosmopolitan, CNN, Daily Mail oder Yahoo News.

Anhänger traditioneller linearer Fernsehformate werden sich hier bisweilen die Augen reiben oder den Kopf schütteln. Andere sehen hier die Zukunft. Und die könnte sich – so der Eindruck in Anbetracht der zahlreichen Messaging-Apps – durchaus auch jenseits von sozialen Medien abspielen. Zumindest weist Snapchat in der Ankündigung des Discover-Dienstes explizit darauf hin, dass es sich hier nicht um Social Media handle.

 

Snapchat – für iOS und Android kostenlos erhältlich

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In dem Moment, in dem klassische deutsche Anbieter wie der WDR gerade Instagram für sich entdecken, sind amerikanische Medienanbieter bereits eine Umdrehung weiter. Zeit also, auch als deutscher Journalist mal dem Vertical Video Syndrom (VVS) zu verfallen, um ein paar Snaps anzufertigen. Wie das geht? Das steht hier.

Zum Angucken empfiehlt jk nebenan bei Twitter folgende Liste von Medienunternehmen bei Snapchat. Und hier noch zum Nachlesen: How news organizations are using SnapChat to report and distribute news. Und zum Anhören: How news outlets are engaging with the Snapchat community. Freue mich über Snapchat-Empfehlungen in den Kommentaren. Animierte GIFs zu den Themen Kopfschütteln, Schulter zucken, etc. wären auch toll.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in: JOURNALISMUS & TECHNIK, Kommunizieren & Dialog, Produzieren, Publizieren

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