24.11.2014

Die Journalisten-App der Woche: Videolicious



Der schnellste, einfachste Weg um eine Geschichte mit Video zu erzählen – automatisch. Das versprechen etwas hochtrabend die Macher von Videolicious. Haben Sie Recht?

Gar nicht schlecht. Das ist mein erstes Fazit. Dachte ja eigentlich bis jetzt, es gebe zwei Arten mobil Video zu produzieren und zu veröffentlichen. Entweder etwas sehr kurzes Schnelles via Instagram, Vine, Tumblr oder direktem Upload bei YouTube bzw. Vimeo. Oder ein editiertes Stück Video, bestehend aus mehreren Clips, bearbeitet mit iMovie auf iOS oder KineMaster für Android.

Zwei Arten von Video

Durch Videolicious habe ich gemerkt, dass da zwischen noch etwas Platz ist. Zum Beispiel für Apps wie Videolicious. Die App mit einem sehr einfach zu bedienende Interface setzt auf zwei Arten von Video. Voraufgenommenes Material („Wählen Sie Videos und Fotos aus, die Sie in Ihren Film aufnehmen wollen“) und eine ergänzende Video-Aufnahme („Filmen Sie sich und erzählen Sie von den Videos und Fotos in Ihrem Film“). Das mag so nicht für alle Eventualitäten ausreichen, deckt aber ganz schön viele Einsatzszenerien ab: vom journalistischen Aufsager mit Einspielbildern, über angereicherte Straßenumfragen bis hin zu „How to“-Videos, etc.

Ganz geschickt gelöst ist das „Zusammenfahren“ der beiden Videospuren. Man vertont die Ausgangsvideos bzw. Ausgangsbilder nämlich quasi live. Man sitzt also vor dem kleinen Screen in einer Art Senderegie und bestimmt, wann welche Aufnahme zu sehen ist. Das wird durch einen deutlichen grünen Rahmen signalisiert. Danach kann man noch Musik unterlegen und das Video direkt veröffentlichen.

Über 2.000.000 Downloads

Die App, im Moment leider auch nur für iOS verfügbar, setzt auf Automation (zum Beispiel kann man die Schnitte nicht nachträglich editieren) und nimmt einem viele Entscheidungen ab. Das bedeutet Schnelligkeit, aber auch Beschränkungen. Und setzt eine Abwägung voraus, was einem in der entsprechenden Situation wichtiger ist. Darüber sollte man sich im Klaren sein. Mobile Reporting heißt immer auch einen Mobile Reporting Plan haben. Machmal gehört dann da Videolicious mit rein und machmal eben nicht.

. 



Videolicious hat im vergangenen Jahr eine Finanzspritze  von über zwei Millionen Dollar bekommen. Und zwar von niemand geringerem als der Washington Post, Amazon und der Knight Foundation. Angeblich nutzen bereits über 100 amerikanische Zeitungen, Magazine und Fernsehsender die App, die sich bei iTunes rühmt, mehr als zwei Millionen mal heruntergeladen worden zu sein. Bin gespannt, ob die App 2015 auch deutsche Redaktionen erobern wird.

Videolicious für iOS / Preis: kostenlos / Version: 3.3.0

Bildschirmfoto 2014-11-21 um 19.44.55

Die persönliche Nutzung der App ist kostenlos, allerdings auf 20 Videos begrenzt. Mehr Informationen zu den Lizenzbedingunggen gibt es hier.

 Antworten auf häufig gestellte Fragen gibt es hier. 
Und für alle die ein Android-Gerät haben: Eine zumindest in einigen Funktionen ähnliche App ist Magisto.

Ein paar Tipps zur Nutzung der App gibt es beim International Journalists Network. So ist es sicher zielführend, die Gesamtvideolänge bei etwa 60-90 Sekunden zu belassen und den einführenden Introteil nach maximal zehn bis zwanzig Sekunden zu beenden.

Und jetzt frohes Experimentieren. Freue mich auf Posting in den Kommentaren!

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in: JOURNALISMUS & NETZ, JOURNALISMUS & TECHNIK, Produzieren, Publizieren

1 Kommentare zu diesem Artikel


  1. Danke für deine Einschätzung. Ich sehe auch großes Potential in der App, bin aber gespannt, wie gut sie für mich in der Praxis funktionieren wird.


2 Trackbacks/Pingbacks

  1. Videolicious: So produzieren Sie Ihre eigenes Projekt-Video 28 11 14
  2. Videolicious: Videos schneiden und nachvertonen mit iPhone und iPad 10 02 18

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.