07.10.2014

Mehr Dialog auf Augenhöhe!

Von aktivem Austausch mit ihrem Publikum können JournalistInnen nur profitieren. Im Idealfall reicht der Dialog auch über die digitalen Kanäle hinaus.

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Photo: Hendrik Haase, Urban Journalism Salon 2014, Berlin

Der digitale Raum bietet nicht nur zahlreiche Möglichkeiten, Journalismus neu zu denken. Er verpflichtet uns Journalisten gleichsam dazu. Ein digitales Medium, dessen Storytelling noch immer ausschließlich auf langem Fließtext fußt, wird notgedrungen den Anschluss verlieren. Und wer den Dialog mit seinem Publikum nicht sucht, wird bald ins Leere berichten. Denn unser Publikum verliert zusehends das Vertrauen in und das Interesse an unserer Arbeit. Deshalb sollte unser Bedürfnis wachsen, den Austausch mit ihm wieder zu forcieren. Um die Bedürfnisse unserer Zielgruppen besser zu verstehen. Um unsere Berichterstattung zu optimieren. Und um unsere Medien als Marken zu stärken.

Jedoch: Aktiv gepflegte Social-Media-Kanäle, Foren und Diskussionstools allein reichen nicht, um das erschütterte Vertrauen wiederherzustellen und mit unserem Publikum gemeinsam an der Berichterstattung von morgen zu arbeiten. Besser als digitaler bleibt noch immer realer Kontakt. Von Angesicht zu Angesicht gerät ein Gespräch weniger zum katastrophalen Wutexzess, wie er sich zuweilen in den Kommentarspalten von etwa Spiegel Online entlädt. Im Dialog face-to-face wird auch empathischer miteinander kommuniziert. Und nicht zuletzt: inhaltlich gewinnbringender.

Einige Medien schaffen bereits entsprechende Real-Life-Plattformen zum Austausch. Die Stuttgarter Zeitung beispielsweise lädt ihre LeserInnen einmal im Monat beim „Pressecafé“ zum Gespräch mit ihren AutorInnen. Die Süddeutsche Zeitung informiert bei regelmäßigen Wissensveranstaltungen über wechselnde Themen. Die ARD gewährt im Hauptstadtstudio Einblick in die Arbeit hinter den Kulissen ihrer TV-Formate. Und und und.

Bloß: Häufig läuft die Kommunikation bei solchen Veranstaltungen noch immer vor allem in eine Richtung ab. Bei Podiumsdiskussionen, aber selbst bei hippen Hate-Poetry-Veranstaltungen (Lesungen von Hass-Nachrichten an JournalistInnen) gibt es immer noch „die auf der Bühne“ und „die auf den Zuschauerplätzen“. Es mangelt bislang noch an Events, bei denen sich beide Seiten gleichberechtigt begegnen und auf Augenhöhe Ideen für einen besseren Journalismus diskutieren. Veranstaltungen also, bei denen nicht nur das Publikum unterhalten und informiert wird. Sondern bei denen auch wir Journalisten Feedback und Ideen einsammeln können.

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Photo: Hendrik Haase, Urban Journalism Salon 2014, Berlin

Mit dem ersten „Urban Journalism Salon“ haben sich Rabea Edel, Eva Schulz, Jens Twiehaus und ich an einem solchen Veranstaltungskonzept auf Augenhöhe erprobt. Einen Abend lang haben bei unserer Veranstaltung verschiedene JournalistInnen auf der Bühne Beiträge inszeniert – und dabei auch immer den Dialog mit ihrem Publikum gesucht. 350 Gäste haben beim Salon mitgemacht. Für uns ein Erfolg und gleichzeitig ein Testlauf, um diese Idee zur Real-Life-Partizipation zwischen JournalistInnen und ihrem Publikum in Zukunft noch besser zu gestalten. 2015 wollen wir den „Urban Journalism Salon“ zu einer Reihe machen. Ausprobieren. Lernen. Verwerfen. Umkonzeptionieren. Weiter ausprobieren. Und dabei: Immer enger mit den ZuschauerInnen zusammenrücken. Denn nur mit ihrer Hilfe und ihrem Feedback kann es uns gelingen, unseren Job so gut zu machen wie möglich.

Besuchsbericht vom Urban Journalism Salon 2014 in Berlin von Rafael Dernbach:
Performativer Journalismus – liegt auf der Bühne die Zukunft?

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in: Ideen, Chancen, Risiken, Neue Formate

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