03.07.2014

Self-Publishing: In zehn Schritten zum E-Book-Verleger (Teil 2)

Richard Gutjahr macht es. Matthias Matting macht es. Paul Bradshaw macht es. Drei Journalisten, die E-Books schreiben – und selbst vermarkten. Drei von Tausenden digitalen Selfpublishern. Vom Schreiben übers Design zum Marketing: Hier sind die Tipps 6-10, wie Sie selbst zum E-Book-Verleger werden.

Im ersten Teil geht es um die Schritte 1-5: Thema, Ziele, Nische, Inhalt und Kalkulation.

6. Schreiben: Jeden Tag ein bisschen

E-Books gewinnen an Marktanteilen. Flickr-Foto von mobilyazilar, CC BY 2.0-Lizenz


E-Books gewinnen an Marktanteilen. Flickr-Foto von mobilyazilar, CC BY 2.0-Lizenz

Der Kern Ihres Buchprojektes ist natürlich das Schreiben selbst. Hier hilft es, sich ein (halbwegs) realistisches Zeitbudget zu setzen. E-Book-Experte Matthias Matting empfiehlt zwei Stunden pro Arbeitstag. Oder Sie rechnen Ihre tägliche Schreibdosis von der Gesamtzeichenzahl herunter: Wenn das Buch insgesamt 200.000 Zeichen haben soll und Sie jeden Tag im Schnitt 2500 schaffen, wären Sie bei 80 Tagen. Einen Ansporn können spezielle Schreibprogramme wie Scrivener geben, in denen man die Gesamtzeichenzahl eintragen kann und dann einen – hoffentlich motivierenden – Fortschrittsbalken sieht.

7. Lektorat: Mehr als nur Sprachpolizei

Beim eigenen Text ist man einfach betriebsblind oder in lieb gewonnenen Formulierungen verfangen. JEDER Text, egal ob Bericht, Reportage oder eben Buch profitiert von einem guten Lektor. Ein guter Lektor ist weit mehr als nur ein Sprachpolizist. Er hat auch die Verständlichkeit des Textes im Auge, achtet auf einen flüssigen Satzbau, stimmige Übergänge, macht gegebenenfalls Vorschläge, welche Passagen Sie besser umstellen, kürzen oder ganz streichen sollten.

8. Design und Layout: Das Cover muss rocken

Jedes Buch braucht einen Eyecatcher auf dem Cover, wenn es erfolgreich sein soll. Wenn Ihr E-Book nicht wie eine trockene Dissertation rüberkommen soll, ist eine witzige Bildidee gefragt. Hier ist professionelle Hilfe wohl am wichtigsten, es sei denn, Sie sind selbst ein kreativer Designer. Auch im Buchinneren lockern Bilder und Grafiken auf. Das kann man noch am ehesten selbst machen. Eine saubere Formatierung braucht’s natürlich auch. Und am Schluss muss eine fertige E-Book-Datei stehen. Wer sein E-Book auch im Apple Store verkaufen will, muss das ganze Prozedere noch mal in der Software iBooks Author wiederholen, was einen Mehraufwand in der Produktion bedeutet.

9. Vertrieb: Alleingang oder Distributor?

Der flächendeckende Vertrieb ist der vielleicht größte Vorteil, den ein Verlag bietet. Self-Publisher müssen das selbst in die Hand nehmen – oder mit Distributoren arbeiten. Die Vor- und Nachteile dieser zwei Wege hat Matthias Matting auf seiner Self-Publisher-Bibel zusammengefasst:

  • Sie beliefern die wichtigsten Shops selbst, natürlich bei Amazon beginnend. Vorteil: direkte Kontrolle, aktuelle Statistiken, höheres Honorar. Nachteil: Massenbetrieb, kein direkter Ansprechpartner, Sie erreichen nicht alle potenziellen Leser.

  • Sie lassen sich die Verteil-Arbeit von einem so genannten Distributor abnehmen. Vorteil: kein Ärger mit x verschiedenen Shops, Übersicht über alle Kanäle, mehr potenzielle Käufer. Nachteil: weniger Honorar, weniger Kontrolle, oft exklusive Bindung.

An Amazon führt in beiden Fällen kein Weg vorbei, vor allem das KDP-Program (Kindle Direct Publishing) ist praktisch. Amazon hat auch den mit Abstand größten Marktanteil.

Ebenfalls signifikant am Markt vertreten ist der Apple Store, in dem es natürlich auch E-Books gibt. Haken an der Sache: Wer hier Bücher einstellen will, muss sie mit dem Apple Programm iBooks Author geschrieben haben.

Zu den bekanntesten Distributoren zählen ePubli, Xinxii, Books on Demand (BoD) und ruckzuckbuch.de.

 

10. Marketing: “Schreibe Gutes und berichte darüber”

Das E-Book ist recherchiert, geschrieben, veröffentlicht – was wollt ihr denn jetzt noch von mir? Ganz klar, ein richtiges Marketing, denn sonst war die ganze Mühe weitgehend umsonst. “Schreibe Gutes und berichte darüber” – natürlich im eigenen Blog (der sich ohnehin dafür anbietet, Auszüge des E-Books zu veröffentlichen) und in den sozialen Netzwerken. Am besten in denen, in denen man seine Zielgruppe am ehesten vermutet. Ein hoher Klout-Score bzw. ein paar hundert oder tausend wohlwollende Follower können viel helfen, die frohe Kunde in die Welt zu tragen und neue Interessenten zu finden. Weitere Möglichkeiten:

  • Amazon bietet beim KDP-Programm Verschenkaktionen an – an fünf Tagen pro Quartal. Das können Sie zum einen für Presse-Rezensionsexemplare nutzen, aber so auch die Reichweite Ihres Buches erhöhen.

  • Temporäre Preisrabatte können die Verkaufszahlen auch ankurbeln.

  • Wettbewerbe und Preisausschreiben

  • Viele Autoren nehmen den Link zum Buch in ihre E-Mail-Signatur auf

  • Social Reading: Online-Austausch über E-Books, z.B. bei lovelybooks.de

  • Ob eine öffentliche Lesung taugt, hängt stark vom Thema ab. Bei einem Roman oder einem persönlichen Erfahrungsbericht (kurz: da, wo es menschelt) bietet sich das eher an als bei einem reinen Sach- oder Lehrbuch.

In dieser Grafik der selfpublisherbibel ist der ganze E-Book-Publikationsprozess sehr schön zusammengefasst. Und jetzt viel Spaß beim Self-Publishing!

Self-Publishing-Grundlagen nach Matthias Matting

Self-Publishing-Grundlagen nach Matthias Matting

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  • Über Bernd Oswald

    Bernd Oswald, Jahrgang 1974, ist Autor und Trainer für digitalen Journalismus. Mich fasziniert es, wie die Digitalisierung (nicht nur) den Journalismus verändert: mehr Quellen, mehr Transparenz, mehr Interaktion, ganz neue Möglichkeiten des Geschichtenerzählens, vor allem visuell und mit Daten. Über diese Phänomene schreibe, blogge, twittere und lehre ich seit 2009.

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