23.04.2014

Wie man mit PR in Wikipedia umgehen kann

Ein Leitfaden zum seriösen Arbeiten mit der Online-Enzyklopädie.

„Der erste Schritt einer Suche führt zu Google, der zweite oftmals über die ersten Treffer zu Wikipedia. Und da ist es gerade für Unternehmen von Interesse, dort auch mit einer Präsenz im Sinne eines Artikels zum Unternehmen selbst oder den eigenen Produkten vertreten zu sein“, sagt Daniel Rehn, Social-Media-Experte bei der Hamburger Agentur Achtung! PR. Laut der ARD/ZDF-Onlinestudie 2012 nutzten 75 Prozent aller Männer und 70 Prozent aller Frauen „zumindest selten“ die Wikipedia. Selbst Gerichte, darunter auch der Bundesgerichtshof, zitieren aus den Artikeln.

Firmen, Verbände und Politiker möchten in der Online-Enzyklopädie deshalb möglichst gut dastehen. Spezialisierte PR-Kräfte nutzen Fantasie-Accounts, flexible IP-Adressen und öffentliche Hotspots, um Unternehmen und Organisationen zunächst überhaupt einen Eintrag zu verschaffen oder neue Produkte zu erwähnen. Ebenso werden Inhalte umgeschrieben, kritische Informationen gelöscht und versucht, sich einen Rang in der Wikipedia-Community aufzubauen.

Bezahltes Editieren, sogenanntes „Paid Editing“, ist als Phänomen mittlerweile verbreitet. Entsprechende Angebote laufen unter Begriffen wie „Reputation Management“ oder „Online Marketing“.

Im Januar wurde einer Mitarbeiterin der Wikimedia Foundation in den USA gekündigt, weil sie angeboten haben soll, gegen Bezahlung Editierungen in Wikipedia vorzunehmen.

Doch wie erkennt man als Leser PR in Wikipedia? Man kann in der sogenannten Versionsgeschichte, die jeder Artikel hat, nachschauen, wer den Artikel wann und wie editiert hat. Bei unangemeldeten Benutzern erscheint in der Versionsgeschichte die IP-Adresse, die sich mit IP-Tools wie Utrace zurückverfolgen lässt. Bei angemeldeten Benutzern wird der gewählte Benutzername angezeigt. Jeder Wikipedia-Autor hat eine eigene Benutzerseite, auf der sich mitunter Angaben zur Identität des Autors finden, den man, sofern man angemeldet ist, auch anschreiben kann.

Grundsätzlich skeptisch sollte man bei Wikipedia-Artikeln sein, die Unternehmen und Produkte betreffen, weil diese PR enthalten können. Problematisch sind auch Artikel über kontroverse politische Themen. Der Wikipedia-Autor „7Pinguine“ (siehe dazu den SRF-Artikel Machen PR-Agenten Wikipedia kaputt?), auf dessen Konto über 14.000 Wikipedia-Edits gehen, erklärte, es gebe Manipulationen von „Themen wie Atomkraft“. Der „searchCrystal“ zeigt, welche Themen in Wikipedia inhaltlich am meisten umkämpft und daher für einseitige Darstellungen anfällig sind. Diese Themen finden sich auch zum Teil auf der Liste der am meistbeobachteten Artikel in Wikipedia wieder wie z.B. der Artikel „Scientology“.

Die Arbeitsstelle Wiki-Watch im Studien- und Forschungsschwerpunkt „Medienrecht“ der Juristischen Fakultät der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) betreibt die Seite Wiki-Watch, die der Überprüfung von Wikipedia-Inhalten dienen soll. Dabei werden vorrangig die Quellen eines Artikels für dessen Bewertung herangezogen. Je nachdem, ob ein solcher viele oder wenige Quellen anführt, kommt es zu einer Auf- oder Abwertung. Artikel werden dann mit bis zu sechs Sternen bewertet und als „Zuverlässige Quelle!“ bewertet oder es wird eine Warnung ausgesprochen.

Um die Glaubwürdigkeit eines Wikipedia-Artikel einzuschätzen, sollte man sich auch fragen, wie er geschrieben ist und ob er objektiv verfasst ist. Mit dem Tool „Wikipedia page history statistics“ kann man sehen, wie viele Personen an einem Artikel mitgeschrieben haben und wer die Top-Editierer eines Artikels sind.

 

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  2. torial Blog | Kommentar: Wieso wir Wikipedia vielleicht Geld, vor allem aber Wissen spenden sollten 20 11 15

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