22.01.2014

Zwickmühle für Buchautoren: Verlag oder Self Publishing?

Durch Self Publishing und Crowdfunding von Buchprojekten erweitern sich die Möglichkeiten für Autoren.

Eine der wesentlichen Veränderungen durch die Digitalisierung und den Kommunikationswandel ist, jederzeit Inhalte veröffentlichen zu können. Neben der Veröffentlichung von Beiträgen in Blogs oder bei Twitter und Facebook ist auch das Publizieren von Büchern unkomplizierter gewordenh Self Publishing und Crowdfunding von Buchprojekten erweitern sich die Möglichkeiten für Buchautoren.

 Self Publishing: Am Verlag vorbei

Die Zeiten, in denen man ein Buch zwingend bei einem Verlag veröffentlichen musste, sind vorbei. Self Publishing ist längst aus der Schmuddelecke der Druckkostenzuschuss- oder Bezahlverlage raus. Mit Diensten wie CreateSpace von Amazon und iBooks Author von Apple oder mit Unterstützung von Anbietern wie der Grin Verlag und epubli ist die Veröffentlichung und Vermarktung von Büchern keine Raketenwissenschaft mehr. Bei Ebooks hält sich außerdem der finanzielle Aufwand in Grenzen. Das ist insbesondere für Autoren von Nischenthemen oder Themen abseits von Trends interessant, die Schwierigkeiten haben, einen passenden Verlag zu finden und auf das „Siegel“ einer bekannten Verlagsmarke verzichten können.

Für klassische Verlagsaufgaben wie Lektorat oder Korrektorat, Cover-Gestaltung, Vertrieb oder Marketing lassen sich inzwischen externe Dienstleister finden. Kann man Genre und Zielgruppe für sein Buch genau definieren, bietet sich nach wie vor die Veröffentlichung bei einem Verlag an. Literaturagenten können Autoren bei der Auswahl von geeigneten Verlagen unterstützen. Für einen Verlag sprechen der Vertrieb und die Verfügbarkeit in Buchhandlungen, die vorhandene Infrastruktur (Lektorat, Marketing, Herstellung usw.) und, je nach Verlagsmarke, die „Nachbarschaft“ zu renommierten Autoren.

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Aber auch die Verlage selbst experimentieren mit Self Publishing. Neobooks (Droemer Knaur) etwa war eine der ersten Verlagsplattformen im deutschsprachigen, bei denen Autoren Ebooks einstellen und verkaufen konnten. Gleichzeitig hat jeder Autor die Möglichkeit, einen Vertrag für die Veröffentlichung im regulären Verlagsprogramm von Droemer Knaur zu gewinnen. Auch andere Publikumsverlage haben jüngst Self-Publishing-Dienste mit thematischen Schwerpunkten gestartet: der Carlsen Verlag mit Impress und Instant Books, die Egmont Verlagsgesellschaften mit lyx-storyboard.com und die Mediengruppe J. Kamphausen mit tao.de.

Nebenbei sind bemerkenswerte Projekte wie Sobooks und buch & netz entstanden. Bücher werden hier als Websites veröffentlicht, bei Sobooks sind auch Social-Media-Funktionen integriert. Wer auf dem Laufenden bleiben möchte, sollte sich klug vernetzen. Das ist im Internet nicht anders als jenseits des Bildschirms. Sachkundige Anlaufstellen für künftige Self Publisher sind Die Self-Publisher-Bibel von Matthias und eine sehr rege Gruppe bei Facebook mit über 1.500 Mitgliedern. Dort findet man viele Informationen und Erfahrungsberichte zu Herstellung, Cover-Gestaltung, Vertrieb und Marketing.

Crowdfunding: Finanziert durch den Schwarm

Mithilfe von Crowdfunding lassen sich Buchprojekte über die Community gegen Prämien finanzieren. Ein Beispiel ist die geglückte Finanzierung von „Eine neue Version ist verfügbar“ von SZ-Journalist Dirk von Gehlen, der seinen Schreibprozess für seine Unterstützer öffentlich machte. Das Buch und seine Entstehung gilt als Vorzeigeprojekt für Schreiben und Veröffentlichen in der Gegenwart. Crowdfunding ist vom Aufwand her nicht zu unterschätzen, kann jedoch eine wertvolle Marketingkampagne sein. Wertvolle Hilfe finden sich bei den Crowdfunding-Plattformen selbst, z.B. startnext, oder in der Crowdfunding-Gruppe bei Facebook.

Storytelling: Neue Erzählformate

Gleichzeitig entstehen neue Formate, um Geschichten und Wissen zu vermitteln. Exemplarisch hierfür sind Twitterprojekte wie das auf sechs Jahre angelegte @RealTimeWWII, wo ein Oxford-Absolvent den Zweiten Weltkrieg twittert, oder @9nov38, wo vier Historiker die Ereignisse vor, während und nach der Reichsprogromnacht twitterten.

Wie sich das Internet für Storytelling nutzen lässt, wenn man nicht einfach Print digital abbildet, führen übrigens Medien wie The Guardian oder The New York Times Magazine eindrucksvoll vor. Hier deutet sich an, dass sich gerade für „flüssige“ Inhalte, die vielen Aktualisierungen unterworfen sind, andere Formate entwickeln werden.

Die Möglichkeiten für Buchautoren sind also enorm gestiegen und laden zum Experimentieren ein. Erforderlich ist allerdings, dass man sich mit den Vor- und Nachteilen von Plattformen und Diensten auseinandersetzt. Mehr Möglichkeiten bedeuten gleichzeitig, dass man genauer planen und auswählen muss. Das Gute: man ist nicht allein damit und kann sich mit anderen austauschen.

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