06.01.2014

Transkriptions-Tools: Hilfe bei der Verschriftlichung von Interviews

Das Transkribieren von Interviews ist selbst für Zehnfinger-Tipper eine lästige Angelegenheit. Mancher träumt da von der digitalen Erlösung.

Doch die Instant-Transkribierung ist bislang noch Zukunftsmusik. Da die Spracherkennungssoftware bislang auf einzelne Sprecher trainiert werden muss, ist sie für die Verschriftlichung von Interviews ungeeignet. Tobias Lenartz hat für Torial Transkriptions-Tools getestet.

Abtippen ist nach wie vor alternativlos. Das Problem: Spielt man die Gesprächsmitschnitte direkt vom Smartphone oder Aufnahmegerät ab, braucht man gute Reflexe um rechtzeitig den Pauseknopf zu drücken, und nicht allzu weit zurückspulen zu müssen. Noch unpraktischer ist die Verschriftlichung mit einem gängigen Audioplayer. Schließlich muss man ständig zwischen den Fenstern von Textprogramm und Player hin und her jonglieren. Das ist fummlig, nervig und kostet Zeit.

Transkriptionstools wie Express Scribe, f4 oder Transcribe helfen bei der Verschriftlichung, indem sie einen Texteditor mit einem Audioplayer verbinden, der über Funktionstasten gesteuert werden kann.

f4

f4

Das Transkriptions-Tool des deutschen Anbieters audiotranskription präsentiert sich mit einer aufgeräumten und intuitiven Benutzeroberfläche. Über die namensgebende F4-Taste wird die Aufnahme gestartet und pausiert. Über andere Funktionstasten wird vor- und zurückgespult, oder die Abspielgeschwindigkeit bei konstanter Tonhöhe beschleunigt oder verlangsamt. Das ist nicht nur bei schnellen Interviewpartnern oder nicht ganz so schnellen Tippern von Vorteil und vermindert Unterbrechungen.

Eine Rücksprungfunktion macht lästiges Spulen überflüssig

Die Funktionstasten sind sinnvoll angelegt, können aber – wie nahezu alle Voreinstellungen – mit minimalem Aufwand den eigenen Vorlieben angepasst werden. Besonders hilfreich: Ein automatischer Rücksprung bei jedem Pausieren macht lästiges Spulen überflüssig und sorgt dafür, dass man nahtlos an der richtigen Stelle weitermachen kann. Da die Steuerungstasten als Global Hotkeys fungieren, kann man statt im programmeigenen Editor alternativ auch in Word oder Open-Office transkribieren.

Dann muss man allerdings auf einige praktische Zusatzfunktionen verzichten. So zeigt f4 Audiodateien in Wellenform an, wodurch man Sprechpausen erkennen und per Maus annavigieren kann. Zusätzlich setzt das Programm automatisch Zeitmarken – wahlweise am Anfang oder Ende eines Absatzes oder manuell. Mit einem Mausklick wird die zugehörige Gesprächsstelle abgespielt. Hilfreich gerade bei längeren Interviews zum anschließenden Kontrollhören.

Automatische Sprecherwechsel erleichtern die Transkribierung

Die Verschriftlichung von Interviews wird zusätzlich durch automatischen Sprecherwechsel erleichtert. Nach jedem Absatz wird abwechselnd einer der beiden vordefinierten Sprechernamen eingefügt. Da f4 auch Videos abspielt, kann es ebenfalls zur Transkribierung von Videointerviews eingesetzt werden.

Mit der kostenlosen Free-Version lassen sich Aufnahmen von bis zu 10 Minuten Länge abspielen. Die Pro-Version mit unbegrenzter Abspieldauer liegt bei 50 Euro und enthält Lizenzen für 2 Rechner. Das reicht also wahlweise für den Zweitcomputer oder den Mini-Newsroom. Ein Lizenzumzug ist laut Hersteller möglich. Sie unterstützt zusätzlich eine größere Anzahl von Fußschaltern, mit denen Powertranskribierer ihr Arbeitstempo weiter erhöhen können. Mac User sind im Vorteil, da die iOS Version f5, momentan noch kostenlos zu haben ist!

Express Scribe – Der Preis der Freeware

Express Scribe

Express Scribe begrüßt nach der Installierung mit einer eindrucksvoll roboterhaften Audioeinführung. Ansonsten bietet das für den professionellen Einsatz angelegte und mit Windows, Linux und Mac kompatible Programm einen ähnlichen Funktionsumfang wie f4. Automatischer Sprecherwechsel und Darstellung in Wellenform fehlen, dafür gibt es diverse Zusatzfunktionen, die sich etwa an die Bedürfnisse von Schreibbüros wenden, wie das Empfangen, Senden und Verwalten mehrerer Audidateien übers Netz (FTP). Anders als bei f4 lassen sich auch in der Free-Version Audiodateien von beliebiger Länge abspielen – sie ist also bereits für den professionellen Einsatz geeignet. Aber Vorsicht: Das Programm bringt ungefragt eine ganze Liste von Software-Installationsvorschlägen ins Windows-Startmenü! Einige User halten die Produkte von NCH-Software gar generell für Ad-Ware verseucht. Ein Verdacht, der sich während des Tests zwar nicht bestätigte. Aber die fragwürdigen Zusatzinstallationen, geben dem funktionalen Programm einen unseriösen Beigeschmack.

Die Pro-Version bietet neben einem Videoplayer auch die Unterstützung von Audioformaten wie DSS oder MVF und liegt im Normalpreis bei 40 Dollar (durch eine Dauerrabattaktion wird der konkrete Preis aber auf verträgliche 22 Euro gedrückt).

Transcribe Pro – Transkribieren in der Cloud

transcribe pro

Das Chrome-Addon Transcribe-Pro setzt auf eine Cloud-Lösung. Praktisch, wenn man an verschiedenen Rechnern arbeitet und auch für kleine Newsrooms interessant. Transkribiert wird direkt im Chrome-Browser, geboten werden die Darstellung in Wellenform, Textbausteine, Zeitmarken und eine Exportfunktion. Über eine IPhone-App können Interviews aufgezeichnet und unkompliziert in den Cloudspeicher hochgeladen werden. Für kurze Gesprächs-Mitschnitte oder Diktate ist das sicher keine schlechte Sache. Radio- oder Fernsehjournalisten, die zur Aufnahme nicht ihr iPhone verwenden, profitieren davon natürlich nicht.

Weiterer Nachteil: Die Möglichkeit den Player über Global Hotkeys zu steuern und damit direkt im Textverarbeitungsprogramm zu transkribieren entfällt bislang ebenso wie das Abspielen von Videos und eine individuelle Einstellung der Tastaturbefehle, oder des Rücksprungintervalls.

Apropos Upload: Bei einer WAV-Datei von 40 MB dauerte der Upload trotz Highspeedverbindung geschlagene fünf Minuten. In Express Scribe und f4 kann man nach knapp fünf Sekunden lostranskribieren. Immerhin: MP3-Dateien kann Transcribe praktischerweise schon abspielen, während sie hochgeladen werden. Das funktionierte im Test auch erfreulich problemlos.

Die sogenannte Solo-Version beinhaltet einen monatlichen Upload von 8 Stunden Audio und liegt bei einer Monatsgebühr von 19 Dollar. Für Gelegenheitstranskribierer bietet sich die „Pay as you go“-Variante an. Hier zahlt man pro Stunde Audio drei Dollar.

Fazit:

Das Arbeiten mit Transkriptions-Tools ist ein echter Zeitgewinn. Die Tastaturbefehle sind innerhalb weniger Minuten verinnerlicht. Dann kann man die Finger endlich auf den Tasten lassen, statt ständig zwischen verschiedenen Fenstern, oder zwischen Textprogramm und Aufnahmegerät hin und her zu jonglieren. Gerade die automatische Rückspulfunktion macht die Verschriftlichung von Interviews erheblich zügiger und effektiver.

Liebhaber von Cloud-Lösungen können Transcribe Pro einem Test unterziehen. Allerdings fallen die Preise gerade für die Monatspakte noch vergleichsweise üppig aus. f4 und Express Scribe bewegen sich in Sachen Funktionsumfang und Bedienbarkeit auf professioneller Augenhöhe (wobei die Freeware-Variante von Express Scribe durch ungefragte Zusatzinstallationen einen unseriösen Beigeschmack hinterlässt). Wer auch ohne Cloud leben kann und regelmäßig Interviews transkribiert, ist gegenwärtig mit f4 wohl am Besten beraten.

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