29.01.2014

Mit Hackerstipendien den Journalismus aufmischen

Die Hacker-Stipendien der Mozilla Foundation wollen Journalismus und Technologie zusammenbringen. Trotz solider Finanzierung hat sich Mozilla allerdings vorerst aus Europa zurückgezogen.

Bei OpenNews werden jedes Jahr ausgewählte Programmierer für zehn Monate in verschiedene Redaktionen geschickt. Zusammen mit den Journalisten vor Ort sollen sie eigene Projekte entwickeln, die den Journalismus technologisch aufpeppen.

Für das Projekt haben sich zwei große Organisationen zusammengetan. Die Mozilla-Stiftung, die hinter dem freien Browser Firefox steht, führt das Projekt durch. Das Geld hingegen kommt von der Knight Foundation, deren Stiftungskapital von Erben eines US-amerikanischen Zeitungsverlags stammt. 2011 haben sie das Projekt mit 2,5 Mio.$ für drei Jahre ausgestattet.

Das Stipendium umfasst 60.000$ für 10 Monate sowie diverse Zuschüsse, etwa für Miete und Krankenversicherung. Im Jahr 2013 wurden acht Hacker in weltweite Redaktionen geschickt. Allerdings hat das Programm eine klare anglo-amerikanische Breitseite. Drei StipendiatInnen gingen in US-amerikanische Redaktionen, zwei nach Großbritannien und einer nach Argentinien. Mit Spiegel Online und Zeit Online waren auch zwei deutsche Redaktionen vertreten.

Datenjournalismus beim Spiegel

Friedrich Lindenberg ist einer der Stipendiaten. Bis Anfang Dezember wird er der Spiegel-Online-Redaktion technologisch auf die Sprünge helfen. Er hat sich vor allem dem Datenjournalismus gewidmet, erzählt Lindenberg: „Ich hatte Glück, weil ich genau zu einer Zeit zu Spon gekommen bin, als beide Teile – Spiegel Online und Spiegel – begonnen haben, ihre datenjournalistischen Kapazitäten aufzubauen.“

Er hat die Redaktion auf drei Arten unterstützt: durch die konkrete Beteiligung an journalistischen Projekten, etwa bei der Visualisierung von Atomtransporten und von Wahlprogrammen. Dann hat er sich offenen Fragen beim Aufbau einer Daten-Infrastruktur gewidmet. Das betraf zum Beispiel die Themen Datamining und Datenmanagement. Drittens hat er an externen Projekten gearbeitet, die auch über den Spiegel hinaus genutzt werden können. Regenis etwa bereitet Rohdaten der deutschen Regionalstatistik auf.

Friedrich Lindenberg

Nerd“ und „Narrator“

Im Umgang mit den Online-Journalisten ist er auf ein Problem gestoßen: Datenjournalismus ist aufwendig, Onlineartikel aber sollen oft in einem sehr kleinen Zeitfenster realisiert werden. „Die Journalisten haben oft die Erwartung, eine Story eben in sechs oder zehn Stunden abzuarbeiten – das ist aber für ein schönes interaktives Feature einfach viel zu wenig.“

Insgesamt wünscht er sich, dass sich Hacker und Journalisten mehr aufeinander zubewegen: „Was gleichzeitig aussteht, ist eine größere Bereitschaft sowohl bei Journalisten als auch bei Techies, gleichberechtigt an Projekten zusammenzuarbeiten und die Trennung zwischen ,Nerd’ und ,Narrator’ aufzugeben.“

Es geht weiter – allerdings ohne Europa

Damit das passiert, geht es auch 2014 beim OpenNews-Projekt weiter. Im Oktober 2012 hat die Knight-Foundation die Förderung verlängert und sogar noch etwas Geld obendrauf gepackt. Es gibt 4 Mio.$ für weitere drei Jahre. Mit dem zusätzlichen Geld wird die Mozilla Foundation den Rahmen des Programms erweitern, zum Beispiel mit einer Konferenz zum Thema Journalismus und Technologie. Allerdings wird sich im Jahr 2014 die Zahl der Stipendiaten von acht auf sechs reduzieren. Das geht vor allem auf Kosten der Internationalität, europäische Redaktionen werden nicht mehr dabei sein.

Wieso streicht Mozilla die Stipendien zusammen, obwohl mehr Geld da ist? Lindenberg glaubt, dass mehr Ressourcen in Veranstaltungen für Nicht-StipendiatInnen gehen sollen, zum Beispiel in die OpenNews-Hack Days. Vielleicht soll der kleinere Kreis auch die Effektivität des Programms erhöhen: „Die aktuelle Runde hat einfach gezeigt, dass es schwer ist, acht Leute auf mehreren Kontinenten zusammenarbeiten zu lassen. Da macht es schon Sinn, das Ganze ein wenig in Nordamerika zu bündeln.“

Und eventuell sei Europa auch einfach nicht so interessant für das Mozilla-Projekt. Die Journalism-Tech-Szene in Europa sei eher klein und es gebe hier einfach nur wenig Entwicklungen, die es mit US-Projekten wie CensusReporter oder DocumentCloud aufnehmen könnten. Das sei aber ein Henne-Ei-Problem, denn diese Projekte hat größtenteils auch die Knight Foundation finanziert, meint Lindenberg. „Ich hoffe, dass die Szene hier in Europa einen eigenen Weg findet, eine aktive Open-Source-Community zu fördern.“

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