04.11.2013

Sichtbarkeit für Journalisten

Jana Lavrov fasst zusammen, was jeder Journalist in Sachen SEO machen kann und machen sollte.

Google ist für Journalisten nicht nur Recherchetool, sondern auch Mittel zur Präsentation. Denn nur wer online gefunden wird, existiert auch. Mit einigen grundlegenden Maßnahmen zur Suchmaschinenoptimierung (SEO) können Journalisten die Sichtbarkeit der eigenen Website deutlich steigern – ohne dabei ihre journalistischen Grundsätze über Bord werfen zu müssen.

Für Leser schreiben

SEO heißt nicht, für Google zu schreiben, sondern für die Leser. Wer SEO betreibt, verabschiedet sich nicht vom journalistischen Handwerk. Im Gegenteil: Wer lesenswerte, besonders kreative oder informative Inhalte publiziert, wird sowohl von den Lesern als auch der Suchmaschine belohnt. Denn gute Inhalte werden verlinkt und je mehr glaubwürdige externe Quellen auf die eigene Website oder den Blog verweisen, desto besser fürs Ranking. Google möchte den Nutzern auf ihre Suchanfragen die bestmöglichen Antworten liefern. Verweisen bereits einige externe Quellen auf die eigene Webpräsenz, erkennt die Suchmaschine, dass diese Seite über relevante Inhalte verfügt.

Für das Zielpublikum schreiben heißt auch, sich dem Leseverhalten im Netz anzupassen. Auch hier ist Google auf der Seite der Nutzer, denn nur was die Leser als interessant, hilfreich und ansprechend einstufen, wird auch von der Suchmaschine positiv gewertet. Für Journalisten bedeutet das:

-       deskriptive Überschriften statt Wortspiele zu verwenden,

-       längere Texte durch Absätze und Zwischenüberschriften zu gliedern,

-       Aufzählungen zu verwenden

-       sowie Bilder und Grafiken einzubinden.

All diese Punkte sind nicht nur ein Service für die Leser, sondern wirken sich auch positiv auf die Sichtbarkeit der Website in den Google-Suchergebnissen aus.

Themenschwerpunkte – Grundlage fürs Keyword-Set

Um eine Website zu optimieren, muss man wissen, zu welchen Suchbegriffen die Seite ranken soll. Bei Journalisten ist es naheliegend, auf die eigenen Themenschwerpunkte zu zielen. Sie sind Ausgangspunkt einer umfassenden Keyword-Recherche, die v. a. Fragen beantworten sollte wie: Zu welchen Keywords möchte ich gefunden werden? Wen möchte ich mit meinen Inhalten erreichen? Wie sucht meine Zielgruppe? Mit wem konkurriere ich zu welchen Suchbegriffen und was kann ich anders machen als meine Mitbewerber? Ein Journalist für Verbraucherthemen sollte beispielsweise nicht für das Keyword „Versicherung“ ranken wollen. Hier ist der Wettbewerb einfach zu stark.

In Sachen Keywords wertet Google die Qualität höher als die Quantität. Es muss also kein Journalist befürchten, sich die eigenen Texte durch Keyword Stuffing, also zu viele Keywords, kaputt zu machen. Vielmehr sollten die Begriffe sinnvoll in den Webseiteninhalt eingebunden sein. Dazu zählt, dass das Keyword möglichst weit vorn in der Überschrift stehen und möglichst in einer Zwischenüberschrift auftauchen sollte. Im Text erkennt die Suchmaschine selbst Synonyme.

Das Snippet – Visitenkarte bei Google

Das Snippet ist eine digitale Visitenkarte jeder einzelnen Unterseite einer Webpräsenz und wird auf den Suchergebnisseiten von Google angezeigt. In der Regel besteht das Snippet aus dem Title, der Description und oft der Seiten-URL. Jede Seite sollte einen einzigartigen Title mit einer Länge von 50 bis 70 Zeichen haben, wobei das relevante Keyword bestenfalls weit vorn eingebunden ist. Sucht ein Nutzer nach diesem Keyword oder einer Verbindung von Keywords, werden sie in den Suchergebnissen fett markiert.

torial-snippet

Title, URL und Description von torial, wie sie in Googles Suchergebnissen angezeigt werden (Quelle: Google.de)

 

Die Description ist mit einem Teaser vergleichbar, sollte möglichst genau beschreiben, was den Nutzer auf der Seite erwartet, und zwischen 130 und 160 Zeichen lang sein. Jede Unterseite sollte eine individuelle Description haben. Title und Description legen Seitenbetreiber im Header des HTML-Code oder beispielsweise unter WordPress ganz einfach mithilfe von kostenfreien SEO Plug-ins selbst fest. Je ansprechender das Snippet, desto höher ist die Klickrate. Und je präziser Title und Description formuliert sind, desto niedriger ist die Absprungrate, also die Anzahl der Nutzer, die die Seite sofort wieder verlassen, weil sie andere Inhalte erwartet haben. Beides registriert Google.

Die URL-Struktur – Spiegel des Seiteninhalts

Die URL einer Seite sagt dem Nutzer schon vor dem Klick, was ihn erwarten wird. Je aussagekräftiger die URL, desto höher ist auch hier die Klickrate. Deshalb sollten Seitenbetreiber möglichst sprechende URLs verwenden, wie z. B. „www.journalist-xy.de/texte/kultur“ statt „www.journalist-xy.de/123“. Je weiter vorn ein Keyword in der URL steht, desto mehr Relevanz räumt die Suchmaschine dieser Seite in Bezug auf dieses Keyword ein. Ist die URL erst einmal erstellt, sollte sie auch nicht mehr verändert werden. Denn ansonsten würden bereits bestehende Verlinkungen ins Leere laufen, was nicht nur Nutzer verärgert, sondern auch von der  Suchmaschine negativ gewertet wird.

Bilder und Grafiken – ein zusätzlicher Traffic-Kanal

Suchmaschinen sind zwar textaffin, wissen aber auch, wie wichtig den Nutzern Bilder und Grafiken sind. Deshalb wird Google immer besser darin, Bilder auszulesen. Zudem ist die Bildersuche bei Google nicht nur eine Möglichkeit für Fotojournalisten, auf sich aufmerksam zu machen. Auch Textprofis können diesen Suchkanal nutzen, um Nutzer zu erreichen, die über die Websuche vielleicht nicht zu ihnen gefunden hätten.

 

bildersuche-videojournalist-berlinDie Google-Bildersuche kann andere Ergebnisse als die Websuche liefern (Quelle: Google.de).

Voraussetzungen für ein gutes Bilder-Ranking sind:

-       ein beschreibender Dateiname wie z. B. „journalistenkonferenz-xy.jpg“ statt „bild1.jpg“,

-       ein sinnvoller Bild-Titel,

-       eine möglichst genaue Beschreibung des Bildes im „Alt-Attribut“ (z. B. bei WordPress unter „alternativer Text“)

-       und eine passende Bildunterschrift.

 

Die eigene Website oder der eigene Blog sind für Journalisten eine sinnvolle Ergänzung zum Social-Media-Auftritt und Profilen bei Xing, LinkedIn oder torial. Konsequent verknüpft tragen alle diese Kanäle dazu bei, online besser gefunden zu werden. Wer dazu noch grundlegende SEO-Maßnahmen berücksichtigt, ist auf dem besten Weg zu einem guten Ranking.

 

 

2 Kommentare zu diesem Artikel


  1. Toller Artikel mit echt guten SEO-Tipps! Danke, Jana!

  2. Benjamin Linsner

    Sehr gelungene Kurz-Zusammenfassung des Themas SEO-Optimierung.

    Die Aussage “SEO heißt nicht, für Google zu schreiben, sondern für die Leser.”, kann ich bestätigen. Für meine Bachelorarbeit hatte ich das Thema Web Analytics im journalistischen Kontext betrachtet. Dabei fiel mir auf, dass es kaum wissenschaftlich fundierte Literatur zu dieser Thematik gibt. Die meisten Werke finden sich alle in den Bereichen Marketing oder IT und müssen für den journalistischen Kontext entsprechend adaptiert werden.

    Selbst das Standardwerk “Online-Journalismus” von Gabriele Hooffacker (Econ-Verlag) erwähnt den Umgang mit Web Analytics und die SEO-Optimierung nur am Rande. Ich würde mir wirklich ein Buch wünschen, das sich umfangreich mit dem Thema befasst und sich dabei auf die Bedürfnisse von Online-Journalisten konzentriert.


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  1. Zur Zukunft des Journalismus #Deadline von Constantin Seibt 30 11 13

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