21.08.2013

Lauschangriff per Handy

Moderne Smartphones arbeiten mit Spracherkennungssystemen und Datenschädlinge können Handys zu Raummikrofonen machen. Szenarien zwischen Science-Fiction-Horror und Realität.

Als Edward Snowden sich in Hongkong an einem geheimen Ort mit seinen Anwälten traf, soll er sich Medienberichten zufolge ausbedungen haben, dass diese ihre Mobiltelefone in einen Kühlschrank legen. Der Grund: Der NSA-Whistleblower fürchtete offenbar, dass die Geräte abgehört und / oder verfolgt werden könnten. Im Gefrierfach, so der Plan, ist ein Handy erstens dank der Isolierung tontechnisch abgeschirmt und zweitens dringen Funkwellen so auch nicht nach außen.

Ob das wirklich immer so gut klappt, ist unklar - Sicherheitsexperten halten einen metallenen Cocktail-Shaker für die bessere Variante. Doch solche digitalen Angriffsszenarien, die früher ins Reich der Science-Fiction gehörten, weil sie technisch einfach nicht durchführbar waren, werden heute tatsächlich Schritt für Schritt Realität.

Beispiel iPhone. Nutzt man das Sprachassistenzsystem Siri, landen die Stimmeingaben auf Apples Servern, weil sie dort ausgewertet werden – und eventuelle Umgebungsgeräusche natürlich auch. Apple betont zwar, dass die Daten anonymisiert und damit nicht rückverfolgbar sind (obwohl sie auch dazu dienen, dass Siri die Sprache des Nutzers besser erkennt). Doch wer weiß schon, was das heutzutage noch heißt?

Google wiederum bastelt für das nächstes Android-Smartphone-Topmodell seiner Tochter Motorola an einer Technik, bei der man erst gar keine Taste mehr drücken muss, damit die Spracherkennung beginnt – es soll reichen, “Ok Google Now” zu sagen, damit sie losläuft (die Datenbrille Google Glass hat mit dem Befehl “Ok Glass” eine ähnliche Arbeitsweise.). Damit das funktioniert, muss das Handy namens Moto X natürlich die ganze Zeit über sein Mikrofon eingeschaltet haben – logisch.

Es ist unklar, ob diese Audiosignale auf Googles Servern landen werden – dass sich Geheimdienste nach einem solchen Handy-Raummikrofon die Finger lecken werden, ist aber abzusehen. Mit Datenschädlingen, die auf Smartphones installiert werden, geht das übrigens schon jetzt – sie schalten dann, ohne dass es der Benutzer merkt, in einen “Wanzenmodus”.

Vielleicht ist die Idee, das Smartphone vor einem sensiblen Recherchegespräch in den Kühlschrank (oder den Cocktail-Shaker) zu legen, ja doch nicht paranoid.

 

Wer es genauer wissen will – hier ein abgrundtiefes, sehr gutes Feature in der Bayern 2 Kulturwelt vom 23.08.2013.

Anwalt Udo Vetter schreibt immer wieder über diese Themen.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in: JOURNALISMUS & NETZ, JOURNALISMUS & TECHNIK, Kommunizieren & Dialog, NEU

1 Kommentare zu diesem Artikel


  1. Leider hört es hier nicht auf, denn man munkelt das NSA-Agenten technische Wanzen direkt an die Haupt- und Verteilerleitungen von Servern größerer Anbieter installiert. Zu teil bewiesen ist auch das selbst Hardware die in normalen Geschäften verkauft wird je nachdem schon bei der Herstellung oder beim Export heimlich verwanzt werden.

    Aus einem NSA-Report aus dem Jahr 2010 gehe sehr deutlich hervor, dass die NSA routinemäßig Router und Server und anderes Netzwerk-Equipment erhält, bevor es die USA verlässt. Vor dem Verschiffung soll die NSA Abhörmechanismen in die Geräte integrieren, berichtet der Guardian.

    Erschreckend ist hier nicht nur das Vorgehen sondern die Tatsache viele große IT-Konzerne (freiwillig oder unfreiwillig) mit dem US-Geheimdienst kooperieren.

    http://www.derwesten.de/wirtschaft/digital/nsa-installiert-router-backdoors-noch-in-der-fabrik-id9342575.html



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