28.06.2013

Scrivener – schreiben, strukturieren und überarbeiten.

Nach Draft (http://get.torial.com/blog/2013/06/werkzeuge-gemeinsam-besser-texten-im-web/) stellen wir dieses mal Scrivener vor. Ein Tool zur Textstrukturierung und Verwaltung von Recherchematerial.

Scrivener

 

Jeder Journalist der bereits größere Schreibprojekte zu bewältigen hatte, weiss mit welchen Herausforderungen diese Aufgabe verbunden ist. Umfangreiche Materialsammlungen müssen ausgewertet zu werden. Textentwürfe, Infos aus dem Web, Audio- oder Videomitschnitte und andere Dokumente  wollen zu einem leicht verdaulichen Text verarbeitet zu werden. Wer herkömmlich arbeitet, hat seine Recherchen vermutlich in Ordnern gesammelt und sortiert. Rückt die Deadline näher, wird die Textverarbeitung gestartet, Bild-, Audio- und Videosoftware und ein Outliner geöffnet und versucht, in dem daraus resultierenden Chaos auf dem Monitor den Überblick zu behalten.

Doch es geht auch anders. Wie, zeigt LiteratureandLatte mit ihrer Autorensoftware Scrivener.

Scrivener ist jedoch keine Textverarbeitung im herkömmlichen Sinn. Das Programm wurde speziell für Autoren entwickelt. Seine Stärken zeigt es in den Bereichen Textstrukturierung und Verwaltung von Recherchematerial.

Das Arbeitsfenster von Scrivener teilt sich in drei Hauptbereiche. Ganz links befindet sich der Binder. Ganz oben im Binder steht unser Text. Hier bietet das Programm bereits die erste Möglichkeit zur Strukturierung. Ein Text muss kein einzelnes Dokument sein, sondern kann aus beliebig vielen Dokumenten bestehen, die auch untereinander in einer Ordnerstruktur verschachtelt werden können. Legt man zum Beispiel pro Kapitel oder Abschnitt ein eigenes Dokument an, lässt sich der Text hierbereits effektiv strukturieren.

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Direkt unter dem Binder liegt der Recherchebereich. Dort werden alle für das jeweilige Projekt benötigten Dokumente übersichtlich gesammelt. Auch hier besteht wieder die Möglichkeit mit Ordnern eine Struktur zu erschaffen. Ein Klick auf eine Datei – sei es ein Bild, Link, Video oder ein Text – öffnet sie nicht in einem externen Programm, sondern direkt in Scrivener! Diese gesammelten Dateien sichert Scrivener zusammen mit unserem Text in einer einzigen Projektdatei. Text und alle dazugehörenden Infos befinden sich damit immer am gleichen Ort. Ein unschätzbarer Vorteil wenn es gilt, z.B. später Originalquellen nachweisen zu können.

Den größten Teil des Bildschirms nimmt der Bereich zur Texterstellung ein. Hier sind nur die rudimentären Funktionen verfügbar, unterschiedliche Schriftarten, Textausrichtung, Zeilenabstände und Markierungen. Dieser Schreibbereich lässt sich in zwei Bereiche aufteilen, um zum Beispiel in der oberen Hälfte am Text zu arbeiten und gleichzeitig in der unteren Recherchematerial anzeigen lassen. Zum fokussierten Schreiben bietet Scrivener den Compose-Modus an. Dieser dunkelt den Bildschirm ab und präsentiert einzig in der Mitte das weisse Blatt mit dem aktuellen Text.

Am unteren Rand des Fensters befindet sich ein Wort/Zeichenzähler, so bleibt das aktuelle Arbeitspensum stets im Blick. Nett auch der Typewriter-Modus, der dafür sorgt, dass der Cursor wie bei einer Schreibmaschine auf der Mitte des Bildschirms verbleibt, während der bereits geschriebene Text nach oben scrollt.

Wer will, kann längere Texte in Scrivener auch in einem Stück schreiben. Dann verschenkt man allerdings eine der beeindruckendsten und hilfreichsten Möglichkeit dieses Programms.  Denn alle Textdateien lassen sich auf einer Pinnwand – dem Corkboard – als Karteikarten anzeigen.  Auf der Vorderseite der Karten steht eine kurze Zusammenfassung des Inhalts, der Inhalt selbst befindet sich quasi auf der Rückseite. Hat man nun beispielsweise seine Kapitel oder Absätze in einzelnen Dateien gespeichert, können diese auf der Pinnwand beliebig angeordnet und umsortiert werden. Versuchen sie das mal mit Word ohne dabei graue Haare zu bekommen.

Der rechte Bildschirmrand bleibt dann für die Notiz-, Fußnoten-, Versions- und externen Referenzverwaltung. Hier lassen sich Label vergeben und Notizen für Projekte und Dokumente anlegen.

Mittels Snapshotfunktion sind beliebig viele Versionen eines Dokuments schnell erzeugt und übersichtlich verwaltet.

Scrivener bietet noch viele weitere Funktionen, um die Arbeit mit Texten zu erleichtern. Doch allein der intelligente Umgang mit Referenzmaterial und die effektiven Möglichkeiten um Texte zu strukturieren, reichen aus um die Software zu einer klaren Empfehlung für Journalisten und andere Vielschreiber zu machen.

Nicht vergessen darf man jedoch, dass der Hauptaugenmerk auf der Texterstellung liegt. Wer layouten will, braucht dazu andere Programme. Meine Empfehlung: Texterstellen in Scrivener, zur Weiterverarbeitung dann auf geeignete (Layout)Programme wechseln. Dank der zahlreichen Exportfunktionen von Scrivener geht das problemlos.

Ursprünglich war Scrivener nur auf dem Mac verfügbar, seit einiger Zeit ist jedoch auch eine Windowsversion erhältlich. Leider sind sowohl das Programm als auch die Dokumentation dazu in Englisch. Auch der Preis kann sich sehen lassen – die Mac-Version gibt es für knapp 40 Euro, die Windowsversion ist etwas günstiger.

Hier noch ein gutes Video-Tutorial: http://www.youtube.com/watch?v=E4v5LxqcIvc

 

 

8 Kommentare zu diesem Artikel


  1. vielen Dank für die Empfehlung, hat mich gleich neugierig gemacht und ich hab Scrivener gekauft. Allerdings kriege ich es nicht hin, Websiten anzeigen zu lassen. Wie geht das?

  2. Jeden Link den Du in den Recherchebereich ziehst, lässt sich in Scrivener öffnen.
    Wie bist Du vorgegangen?

    Peter

  3. Guter Tipp. Ich schaue mir das gerade genauer an. Scrivener scheint auch besonders gut geeignet zu sein, um Radiomanuskripte zu schreiben. Als erstes gelernt: Man kann die Anwendung 30 Tage lang kostenlos testen: http://www.literatureandlatte.com/trial.php

    • @Thomas Ja, das mit der Testphase hatte ich vergessen zu erwähnen. Es gibt im Herbst zum Nanowrimo auch oft Rabattaktionen für Scrivener, da gehen dann nochmal 20% weg.


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  1. torial Blog | Self-Publishing: In zehn Schritten zum E-Book-Verleger (Teil 2) 03 07 14

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