14.04.2013

Werkzeuge: Textverarbeitung für Journalisten

papyrus auf dem macViele Autoren tippen ihre täglichen Berichte noch mit Microsoft Word, härtere Gesellen setzen auf Plain-Text-Editoren wie Ultra- oder BBEdit. Wie wär’s mal mit einer Textverarbeitung, die für den journalistischen Alltag gedacht ist? Technikjournalist Ben Schwan hat sich Papyrus Autor 6 angesehen.

Mit Word kann man mich jagen. Kommt aus einer Redaktion ein Manuskript zurück, das ich per Änderungsverfolgung absegnen oder ergänzen soll, greife ich natürlich zu dem Microsoft-Produkt – doch wenn es sich vermeiden lässt, bleibt das Office-Paket in seinem ihm angestammten Unterordner auf meiner Festplatte.

Stattdessen schreibe ich meine Texte mit einem Plain-Text-Editor, einem Programm also, das ohne Schriftarten-Schnickschnack reinen Text ohne Formatierungen ausspuckt, der sich dann beliebig weiterverarbeiten lässt. Trotzdem greife ich im Produktionsprozess zusätzlich zu einer speziellen Textverarbeitung, die eigentlich mehr Bekanntheit verdient hätte.

Das Werkzeug nennt sich Papyrus Autor und wird seit 2008 von der kleinen Berliner Firma R.O.M. Logicware vertrieben. Papyrus hat sehr alte Wurzeln – seit 1992 gab es das Tool beispielsweise schon für den guten alten Atari –, hat sich in den letzten Jahren aber neu erfunden.

Papyrus Autor kann zum direkten Texten genutzt werden, akzeptiert aber auch Copy & Paste-Arbeit aus einem anderen Text-Editor. Bei mir kommt die Textverarbeitung zum Feilen an (fast) fertigen Stücken zum Einsatz, als finaler Korrekturdurchgang und zur Stilanalyse. Besonders bei letzteren beiden Funktionen schlägt die Anwendung Word und andere nicht weiter spezialisierte Programme um Längen. So kann beispielsweise die aktuell von Presseagenturen bevorzugte Schreibweise gewählt werden und ein gut ausgebauter Thesaurus hilft gegen Wortwiederholungen.

Mit farbigen Markierungen werden Füllwörter versehen und Kommafehler angekreidet. Praktisch (aber zu häufig ignoriert) ist auch die Lesbarkeitseinschätzung, die sogar Phrasen – in Maßen – erkennen kann. Wer Papyrus Autor als komplettes Schreibwerkzeug einsetzen möchte, kann mit der Software auch Material- und Recherchesammlungen aufbauen und es für Buchprojekte nutzen.

Billig ist Papyrus Autor allerdings nicht. Für die aktuelle Version 6 werden beim Neukauf 169 Euro fällig, dafür wird hier aber auch bereits der Duden Korrektor 9 mitgeliefert. Zudem gilt die Lizenz sowohl für Mac als auch für Windows. Hersteller R.O.M. Logicware bietet guten Support und reagiert bei Fragen und Problemen regelmäßig flott per E-Mail. Etwas Kritik hat allerdings das vergleichsweise unübersichtliche Handbuch verdient, das man aufgrund des großen Funktionsumfangs von Papyrus Autor aber dringend durcharbeiten sollte. Ansonsten bleiben viele der schönen Funktionen im Alltag ungenutzt.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in: JOURNALISMUS & TECHNIK, Kommunizieren & Dialog, NEU
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1 Kommentare zu diesem Artikel


  1. Ich kann Papyrus nur empfehlen. Wenn man das Programm einmal erworben hat, kostet ein Upgrade nur noch 39 Euro. Und was mir besonders entgegen kommt: das Programm ist auch unter Linux – mit Hilfe von WINE – lauffähig. Da ich Windows nur sehr ungern benutze war das ein zusätzlicher Grund für die Anschaffung.



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