27.11.2012

Einfach zum eigenen Blog: So geht’s!

Taalke RenkenIm Internet wimmelt es nur so von Anbietern für eigene Blogs, da könnte man schon fast den Überblick verlieren. Aber wie unterscheiden sich diese Plattformen? Welche ist wirklich leicht zu bedienen und welche eignet sich inwiefern gut für ein journalistisches Portfolio? Taalke Renken ist freiberufliche Grafikdesignerin und gestaltet und entwirft kreative Online-Kampagnen, Landing Pages und Co. sowie Newsletter für Kunden aus dem Fashion-, Consumer Goods- und Telekommunikationsbereich. Nebenbei ist sie als freie Autorin tätig und Gründungsmitglied der Digital Media Women. Sie hat die größten Blog-Anbieter verglichen und gibt einige Antworten:

Blogger.com ist ein Service, der zum großen Angebot vom Dienstleister Google gehört. Mit einem Google-Account kann man ohne große Umstände schnell auch einen Account bei Blogger eröffnen. Die Bedienung ist ziemlich einfach und installieren muss man auch nichts: Das eigene Blog landet sofort öffentlich sichtbar und natürlich bei der Suchmaschine indiziert unter wunschname.blogspot.com im Netz. Auch Unterseiten, wie für das nach deutschem Telemediengesetz nötige Impressum oder für eine Seite mit Vita, sind schnell und einfach angelegt. Für die Gestaltung gibt es eine Auswahl an Vorlagen, die sich durch eigene Header-Grafiken individualisieren lassen. Mutige können auch das komplette Design nach ihren Wünschen verändern, sofern sie über die nötigen HTML- und CSS-Kenntnisse verfügen. Zu bedenken gibt es hier jedoch, dass alle eingegebenen Daten – auch von denjenigen, die vielleicht Kommentare abgeben – auf Servern des Datensammlers landen und man nicht genau weiß, was damit geschieht. Auch lassen sich, sollte man den Anbietern einmal wechseln wollen, die Daten nicht besonders leicht exportieren, um sie an anderer Stelle wieder einfügen zu können.


Posterous
ist technisch auf dem neuesten Stand. Die Stärken von Posterous liegen in der einfachen Verbreitung neuer Beiträge innerhalb einer großen Anzahl relevanter Social Networks – nicht nur die üblichen Verdächtigen Facebook und Twitter, sondern auch flickr, LinkedIn, Drupal-Seiten oder Scribd. Außerdem hat Posterous als einer der wenigen Anbieter eine wirklich gut funktionierende App für mobiles Aktualisieren (sowohl für iPhone und Android), mit der sich leicht zwischendurch mit dem Smartphone aufgenommene Fotos, Videos oder auch schnell getippte Texte veröffentlichen lassen. Auch bei Posterous gibt es bequeme Möglichkeiten, das Layout des Blogs anzupassen und zu individualisieren sowie nötige Unterseiten mit Zusatzinformationen einzubinden. Wer sich auf Posterous verlässt, geht aber das Risiko ein, später mit ziemlich veralteten Technologien dazustehen: Seit der Dienst im März 2012 von Twitter aufgekauft wurde, wird er nicht mehr aktiv weiterentwickelt. Technische Fehler werden zwar nach wie vor behoben, das Tempo dabei war allerdings vorher schon mal schneller …

Tumblr setzt auf sehr simples Erstellen und Verbreiten der Beiträge, die typischerweise auch sehr kurz sein können und manchmal bloß aus einem einzigen Foto bestehen. Das muss aber niemanden davon abhalten, auch lange Texte dort zu veröffentlichen. Tumblr als gesamte Plattform lässt sich außerdem sehr gut nach Schlagworten durchsuchen, was eine noch bessere Auffindbarkeit bedeutet. Mit nur sehr wenig Aufwand lassen sich Layouts aus der großen Auswahl nutzen, die auch ganz ohne technische Kenntnisse noch leicht modifiziert werden können. Diese Layouts sehen auch nicht alle unbedingt nach einem typischen Blog aus, wodurch Tumblr für diejenigen interessant wird, die weniger regelmäßig bloggen, als vielmehr ihre Highlights in einem schönen Portfolio veröffentlichen möchten. Im Gegensatz zu allen anderen vorgestellten Anbietern lässt sich bei Tumblr allerdings nicht ohne Weiteres als Leser ein Kommentar hinzufügen – dafür lassen sich die Beiträge aber einfach in den leser-eigenen Tumblr-Blog kopieren (rebloggen), wobei Leser dann eigene Notizen hinzufügen können. Um dem deutschen Telemediengesetz gerecht zu werden und ein ordnungsgemäßes Impressum oder andere Unterseiten einzuführen, muss man bei Tumblr ein klein wenig tricksen, indem man Beiträge mit diesen Titeln anlegt oder die notwendigen Informationen bereits im Layout integriert, damit sie direkt auf der Startseite sichtbar werden.

WordPress.com ist als dienstleistender Anbieter nicht zu verwechseln mit der reinen WordPress-Software (dazu gleich mehr). WordPress bietet in diesem Vergleich die mächtigste Software und dient nicht nur als Blogsystem, sondern ist auch ein komplettes CMS (Content-Management-System). Hiermit lässt sich also auch eine komplette Website erstellen, die nicht ausschließlich als Blog dient. Es gibt viele Funktionen von der Seitenerstellung bis zur Mediathek und komplett dynamischer Seitenleiste, außerdem werden auch einige Statistiktools gleich mitgeliefert. In der kostenlosen Variante gibt es eine gute, aber begrenzte Auswahl an Designs, die sich teilweise auch gut ohne tiefer gehende Kenntnisse anpassen lassen. Im Gegensatz zu allen bisher vorgestellten Anbietern macht WordPress es dem Betreiber auch leicht, Leser-Kommentare vor dem Erscheinen zu moderieren, um Fälle möglicher Störerhaftung zu minimieren. Der Balance-Akt zwischen den vielen Funktionen und auch für Neulinge guter Übersicht und Bedienbarkeit gelingt WordPress.com meines Erachtens ziemlich gut, aber für den Fall der Fälle gibt es hier zudem eine Menge brauchbarer Hilfeseiten – auch auf Deutsch. Für einen vielleicht gewünschten Umzug lassen sich alle Inhalte in gleich mehreren praktischen Formaten exportieren. Zu beachten ist jedoch auch hier, dass alle Daten auf fremden Servern liegen und man keinen Einfluss darauf hat, was gespeichert wird.

WordPress.org ist als Einziger dieser Reihe kein wirklicher Bloganbieter, sondern es handelt es sich hierbei vielmehr um eine Software, die sich auf eigenem Speicherplatz bei einem Webhoster nach Wahl installieren lässt. Entsprechend gibt es keinen technischen Support im klassischen Sinn, obwohl hier, wie bei vielen Open-Source-Projekten, die Entwicklercommunity sehr offen und hilfsbereit ist. Als technisch absolut unversierter Nutzer sollte man sich hierfür jedoch unbedingt Hilfe holen, um auch nach der Installation keinem möglichen Sicherheitsrisiko zu verfallen oder eines Tages plötzlich wegen eines falschen Knopfdrucks doch ohne eigenen Webauftritt dazustehen. Wenn man diese Kenntnisse aber besitzt oder sich die entsprechende Hilfe holt, ist die eigene WordPress-Installation nicht nur mächtig, sondern auch datenschutzrechtlich weniger bedenklich. Die Server kann man sich durch den Webhoster selbst aussuchen, das Ausspähen durch den Hosting-Anbieter entspricht in der Regel nicht deren Nutzungsbedingungen und auch Kommentatoren hinterlassen ihre Daten lediglich zu den eigenen Bedingungen. Außerdem lässt sich die Open-Source-Software, die im Grundsatz alle Funktionen von wordpress.com enthält, noch zusätzlich um die tollsten Funktionen erweitern. Damit werden sekundäre Arbeitsschritte wie etwa Statistikerstellung, Verbreitung in gewünschter Form auf gewünschten sozialen Netzwerken oder auch völlig freie Gestaltungsmöglichkeiten zur Verfügung gestellt und dies in einer Vielfalt, nach der man anderswo lange suchen kann.

Taalke Renken

5 Kommentare zu diesem Artikel


  1. Danke für die hilfreiche Auflistung. Ich selber habe zwar HTML-, aber wenig CSS-Kenttnisse. Welchen Dienst würdest du empfehlen für eine Webseite, in der ein Blog integriert werden soll? Bisher scheint WordPress.org ja das beste Angebot zu haben, um individuelle Layouts und Bereich schaffen zu können. Was meinst du? Lg, Anja

    • Wenn du eine professionelle Seite für deinen neuen Auftritt einrichten willst, wovon ich jetzt einfach mal ausgehe, und der Fokus nicht hauptsächlich auf einem Blog liegt, empfehle ich dir auf jeden Fall, die Seite unter eigener Domain laufen zu lassen (was bei allen Anbietern hier auch funktioniert). Wenn du an der Seite öfter auch kleine Änderungen vornehmen willst, ist ein CMS sicherlich das richtige. Das kann zum Beispiel die WordPress-Software, also von wordpress.org, gut leisten. Aber auch andere CMS wie TYPO3 bieten solche Funktionen an. Prinzipiell ist es tatsächlich auch eine Geschmacksfrage, mit welcher Software du gut umgehen kannst.
      Zur einmaligen Einrichtung brauchst du in diesen Fällen sowieso immer Hilfe, da du allein mit HTML an keiner Stelle weit genug kommst.

  2. Ich empfehle immer auch gern blogsport.de – ein freundliches Startup aus Berlin-Neukölln.

  3. Auch interessant: eigenen Blog mittels markdown-Dateien und der eigenen dropbox betreiben: http://scriptogr.am/

  4. Posterous Spaces is no longer available.



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