Da kann ja jeder bei mir einbrechen, wenn ich öffentlich kundtue, dass ich nicht da bin, sagen die Einen. Die Anderen sind einfach nur genervt, wenn wieder jemand seinen Standort via Foursquare automatisch twittert. Dabei ist das GPS-basierte soziale Netzwerk sinnvoll einsetzbar. Auch und besonders für Journalisten!
Foursquare gibt es schon seit 2009. Während die globale Nutzerzahl sich 2011 auf inzwischen rund 20 Millionen verdoppelt hat, dümpelt der Dienst in Deutschland noch ein wenig vor sich hin. Vielleicht ändert sich das durch den umfassenden Relaunch vor wenigen Wochen. Die App wurde nämlich komplett überarbeitet. In den Hintergrund getreten sind die so genannten „Badges“ – virtuelle Auszeichnungen, die man sich zum Beispiel durch häufiges Einchecken verdienen konnte.
Das Grundprinzip von Foursquare ist immer noch gleich. Ich kann mich an einem beliebigen Ort „einchecken“ und so Freunden und Bekannten mitteilen wo ich mich gerade befinde. Diese Information kann ich mit Fotos und Text anreichern, Freunde oder Bekannte können das kommentieren. Oder mich treffen. Und hier, bei der Verbindung von virtuellen Infos auf dem Screen und realer Welt um mich herum, ist Foursquare stark und nützlich.
Zum Beispiel wenn man in einer fremden Stadt steht und keine Ahnung hat wo man Essen gehen soll. Die „Explore“-Funktion scannt die Umgebung nach Empfehlungen. Das funktioniert in Istanbul und in Krefeld erstaunlich gut. Natürlich gibt es auch andere Dienste die diese Funktionalität abdecken, aber Foursquare geht hier einen zukunftsweisenden Weg. Mit einem Framework namens Connected Apps will Foursquare Drittanbieter mit weiteren Angeboten mit ins Boot holen. So ist es Dank Apps wie Eat This, not That! oder einer App des Weather Channels möglich Zusatzinfos bei jedem Check- In zu erhalten. Zum Beispiel eine Wetterprognose oder einen Ernährungstipp.

Was das jetzt mit Journalismus zu tun hat? Nun, erstmal macht es das Leben des Reporters einfacher, wenn er in einer fremden Umgebung schnell relevante Informationen oder Ansprechpartner findet. Darüber hinaus kann man Anhand von vergebenen Hashtags auch Datenvisualisierungen auf Foursquare-Basis anfertigen. Der größte Vorteil liegt aber sicherlich in der lokalen Community-Pflege.
Hinter diesem schrecklichen Wort verbirgt sich ein sinnvolles Äquivalent zum Wochenmarktbesuch des Lokalreporters. Vor allem in der Zeit vor dem Internet war der Rundgang auf dem Wochenmarkt ein Garant für heißen Gossip, Themenupdates und mehr. Frisch angefüttert mit neuen Informationen konnte der Lokalredakteur in die morgentliche Themenkonferenz kommen. Das geht zwar immer noch.

Darüber hinaus bietet sich Foursquare in der kombinierten Nutzung mit weiteren Diensten wie Instagram und Facebook aber an, um auch digital präsent zu sein. Journalismus vor allem auch im Lokalen basiert auf Vertrauen. Wenn ich digital sehe, dass jemand ständig in die drei gleichen Läden geht, bin ich eher bereit ihn mal in der echten Welt anzusprechen. Abgesehen davon dreht sich in Zeiten des Informationsüberangebots sehr viel um Service und Mehrwert. Wenn jemand in meinem geographischen Umfeld gute Tipps und Bewertungen bei Foursquare hinterlässt, nehme ich ihn oder sie positiv wahr. Ein guter Ansatzpunkt auch für Journalisten.
Ein weiterer Vorteil von Foursquare: Ich kann unmittelbar und direkt eine Art Reportagereise-Archiv anfertigen. Bin ich das nächste mal in der Gegend, kann ich einfach meine eigenen Ortsmarkierungen und Notizen – versehen mit Geo-Daten – aufrufen. Das alles ist natürlich vollkommen freiwillig. Ein Hinweis sei Sicherheitsfanatikern noch mit auf den Weg gegeben. Um herauszufinden wo sich ein Smartphone-Besitzer gerade befindet, braucht es kein Foursquare. Das kann ein halbwegs technisch versierter Hobbybastler mit krimineller Energie auch so herausfinden…
Bewertung:
Größe: 6.0 MB / Kategorie: Soziale Netze / Preis: kostenlos
Foursquare spielt seine Stärken in der Kombination mit weiteren Diensten aus. Es kann sinnvoll im journalistischen Kontext genutzt werden. Wie und ob es sich rentiert, hängt allerdings komplett von der jeweiligen Nutzung ab.
So oder so, bietet es sich an, sich zumindest mal mit einem geolokalisierten Dienst vertraut zu machen, da das Thema in den nächsten Jahren dank zunehmender Smartphone-Nutzung weiter an Relevanz gewinnen wird.
Hier noch eine Übersicht aller bisheriger Apps für Journalisten. Hast Du weitere Tipps und Empfehlungen?

Interessant auch, wie das Wall Street Journal Foursquare bereits eingesetzt hat, um seine Commuity “zu warnen” (http://www.poynter.org/latest-news/media-lab/mobile-media/102564/wsj-uses-foursquare-to-warn-of-times-square-bomb/). Und ebenfalls ganz schick ist auch der Foursquare-Direktvergleich zweier Städte (http://graphicsweb.wsj.com/documents/FOURSQUAREWEEK1104/). Ob der in Deutschland allerdings schon so umsetzbar ist, sei erstmal dahingestellt…
Jedem jederzeit zu sagen wo ich bin und was ich mache ist toll!
Aber Beschneidungen meiner Privatsphäre sind doof, wenn die Stasi jederzeit weiss wo ich bin und was ich mache, bin ich doch nicht frei!
So nahmen uns die Hipster die Freiheit. Aber hey, Badges sind schon was richtig cooles und rechtfertigen sowas total!
@Martin Danke für die beiden Links!! Den ersten kannte ich gar nicht und beim anderen hatte ich ganz vergessen, dass es das mal gab. Schick! Ob das in Deutschland so umsetzbar ist oder wird, ist in der Tat fraglich…Muss ja auch nicht. Gibt ja noch andere Länder ;)
@Erich Stasi-Vergleiche sind lahm
«Foursquare kann sinnvoll im journalistischen Kontext genutzt werden. Wie und ob es sich rentiert, hängt allerdings komplett von der jeweiligen Nutzung ab…»
… und davon, ob die App im eigenen Umfeld überhaupt genutzt wird. So wie auch bei Twitter, Soundcloud und vielen anderen Diensten/Apps. In der Grossstadt – OK, im grossen Städtchen Zürich – hatte ich noch genug Foursquare-, Twitter- und Soundcloud-User im Umfeld. Heute finde ich in einer ländlich geprägten Region weit und breit keine weiteren User und damit keinen Verwendungszweck für diese Dienste.
Ich denke, als Journo muss ich einerseits zu den Ersten gehören, die neue Social Media ausprobieren – aber auch die Einsicht haben, dass sich Foursquare, Twitter und Soundcloud in der breiten Öffentlichkeit unserer Länder nach ca. vier Jahren nicht durchgesetzt haben und wohl nie werden.
Deshalb konzentriere ich mich wohl oder Kübel auf Facebook und Youtube. Diese werden breitflächig genutzt. Der älteste Facebook-Freund (und Leser unserer Lokalzeitung) ist über 90 Jahre alt!
(Nichtsdestrotrotz: Danke, Marcus Bösch, für die Rubrik «Journalisten-App der Woche», die mir immer wieder Anregung bietet)
Ein weiteres Beispiel dazu : Livehood bildet urbane Lebensräume auf Basis von Foursquare-Checkins ab.
http://livehoods.org/
@Jürg Guter Hinweis! Thx. Das spricht für einen ambivalenten Umgang. Wenn ich keinen Mehrwert habe, muss ich die App natürlich nicht nutzen :)
@Thomas Danke für den Hinweis! Kannte ich gar nicht. Schau ich mir an…
Auf dem Land sind die 10 nächsten Aki-Aka-Kontakte halt etwas weiter weg. Aber die Zersplitterung der Dienste wie z.B. Taxi-Apps oder Ebay-Konkurrenten die dann nicht miteinander zusammenarbeiten macht viele Dienste ausserhalb von Google-City und New York und 5 Minuten Laufreichweite um das Google-Hamburg-Headquarter herum halt uninteressant.
Ohne Abmahnungen und Trivialpatenten hätte ich längst Appload (“Upload”) als App programmiert wo man Polizei und Presse oder Grünflächenamt Fotos melden kann:
- Müll
- Zugewachsenene, Umgeknickte Straßenschilder
- Tote Tiere am Straßenrand
- Umgeknickte Bäume
- Coole Tiere oder Sonnenuntergänge. Die Artenfinder-App ist gewöhnungsbedürftig.
- Öffnungszeiten von Geschäften weil die IHKs das leider nicht anbieten und Kioske was besseres zu tun haben als bei 100 Dienstleistern und Sites ihre Daten aktuell zu halten.
- gelegentlich macht man Wettbewerbe und sammelt Bilder z.b. in Nähe von Fast-Foodern von Jugendlichen aus dem Auto geworfene Burger-Tüten oder umgeknickte Bäume nach dem Sturm oder Eisflächen auf Straßen.
- …
Programmiert ist das schnell. Abgemahnt vielleicht noch schneller.
Also macht Foursquare das jetzt. Zu Foursquare sollte man sich auch mal Meldungen zu Dodgeball ansehen um zu sehen das Aufkäufe oft nicht gut sind.
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