23.03.2012

Die Journalisten-App der Woche: Ustream

Ein Smartphone wiegt inzwischen nicht viel mehr als eine Tafel Schokolade und ein sehr kleiner Apfel zusammen. Es kann bei Bedarf aber mehr als ein Übertragungswagen mit komplettem Kameraequipment und Satellitenschüssel auf dem Dach. Wenn man selber streamt.

Tim Pool ist 26, kommt aus Chicago, und ist so was wie ein Musterschüler des Mobile Reporting. Letzen September, als sich die Occupy Wall Street Bewegung gerade fand und langsam formte, fuhr Pool nach New York City. Mitten rein, machte mit, filmte das ganze mit seinem Telefon und streamte es direkt live ins Internet mit einem Dienst namens Ustream. Dabei war der ursprünglich mal für andere Zwecke gedacht gewesen.

John Ham und Brad Hunstable, nur gut acht Jahre älter als Pool, hatten sich an der United States Military Academy in West Point kennengelernt. Eigentlich wollten sie zusammen mit ihrem Chef-Technologen Gyula Feher einen Fototauschdienst für das Web bauen, aber 2003 wurden Ham und Hunstable eingezogen. Das brachte sie allerdings auf die Idee für Ustream. Denn wie wäre es, wenn ihre Kameraden im Irak via Internet und Webcam mit ihren Familien daheim kommunizieren könnten?

Inzwischen gibt es mehr als zwei Millionen registrierte Nutzer. Einer von ihnen ist Tim, der seinen Kanal TimcastTV taufte. Was Tim da macht ist noch ziemlich neu. Denn während er erst durch die Straßen New Yorks und später durch die Straßen verschiedener amerikanischer Städte ging und immer noch geht und sein Telefon – wie sehr viele andere auch – auf die Aktivisten der Occupy-Bewegung hält, berichtet er gleichzeitig, spricht in die Kamera und belässt es nicht dabei.

Denn die Ustream-App erlaubt trotz des kleinen Bildschirms Interaktivität. Den Dienst kann man einfach und schnell an sein Twitter- und Facebook-Netzwerk koppeln oder den eingebauten Ustream-Chat nutzen. Was das bedeutet? Während Tim live berichtet, kann er Fragen beantworten, sich leiten lassen, ergänzende Infos einfließen lassen, kurz und gut: Er kann direkt und unmittelbar mit seinen Zuschauern agieren.

NBC, Reuters, Al Jazeera, TIME, Fast Company und die Wired haben über den jungen Mann berichtet, der außer seinem Telefon auch eine handelsübliche Drohne einsetzt, um Ereignisse zu filmen. Sein Hauptverbreitungsweg ist Ustream, dessen Videos man schnell verteilen, empfehlen oder auf beliebigen Seiten einbetten kann. Mit der UStream-App kann man sowohl Videos anschauen, als auch selber Videos streamen oder auf dem Gerät speichern. Die Menschen, die ehemals Zuschauer hießen, nehmen die Produktionsmittel selber in die Hand. Die App ist kostenlos und finanziert sich durch Werbung.

Bewertung:


Größe: 23.6 MB / Kategorie: Entertainment / Preis: kostenlos

Durch zahlreiche Updates und die zwischenzeitliche Abspaltung der Produktionsfunktion in eine eigene App, gibt es immer mal Wirbel in der Kommentarsektion bei iTunes.

Nicht vergessen werden sollten auch sinnvolle Alternativen wie Bambuser oder Qik, wenn man selber Videos direkt ins Netz streamen will. Auch die Übertragungsqualität ist bisweilen noch relativ bescheiden. Aber der Bereich ist dynamisch.

Sobald es schnellere Netzverbindungen und bessere Batterien gibt, wird der Markt aller Voraussicht nach explodieren. 

Es empfiehlt sich, sich jetzt bereits ausgiebig mit der Technologie auseinanderzusetzen.

Hier noch eine Übersicht aller bisheriger Apps für Journalisten. Hast Du weitere Tipps und Empfehlungen?

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in: JOURNALISMUS & TECHNIK, Kommunizieren & Dialog, Produzieren, Publizieren

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.